JUGEND RETTET zur gerichtlichen Auseinandersetzung um die Freigabe des beschlagnahmten Schiffes

Pressestatement vom 22. 9. 2017

JUGEND RETTET: Gericht von Trapani lehnt Antrag auf
Freigabe des Schiffes IUVENTA ab.
Verein prüft Entscheidung und bereitet die Revision vor.

Nach der Anhörung vor dem “Tribunale de Trapani” am 19. September 2017 entschieden die zuständigen Richter am 22.09.2017 dem Antrag auf die Freigabe des Schiffes IUVENTA nicht stattzugeben.
Das von JUGEND RETTET betriebene Seenotrettungsschiff wurde am 02.08.2017 auf Anweisung der Staatsanwaltschaft in Trapani zunächst in Lampedusa durchsucht, präventiv beschlagnahmt und dann nach Sizilien überführt. JUGEND RETTET kann die Entscheidung des Gerichts nicht nachvollziehen:

„Während gestern wieder mindestens fünf Menschen vor der libyschen Küste gestorben sind, wird unsere Organisation Opfer einer politischen Kampagne. Diese zielt einzig darauf ab, die Migration nach Europa zu stoppen und dabei billigend den Tod tausender Menschen in Kauf nimmt“ - Kathrin Schmidt, Head of Mission.

Schon in der Vergangenheit waren die auf dem Mittelmeer aktiven NGOs mit ähnlichen Vorwürfen aus dem italienischen Innenministerium konfrontiert - Diese haben sich stets als unwahr herausgestellt. Die Organisation wird die Entscheidung des Gerichts prüfen und Revision einlegen.

„Dass heutzutage vor Gerichten verhandelt wird, ob das Versetzen und Nicht-zerstören von Flüchtlingsbooten im Zuge von laufenden Rettungen ein größeres Verbrechen ist, als Menschen in Seenot ertrinken zu lassen, ist eine Schande für die Europäische Union.“ - Adrian Knöpfel, Legal Coordinator.

“Wir haben stets nach geltendem Recht und in Kooperation mit den zuständigen italienischen Behörden gearbeitet. Es gab niemals eine Zusammenarbeit mit Schleppern oder eine Unterstützung deren krimineller Aktivitäten. In unserer Arbeit hat das Retten von Menschenleben oberste Priorität. Zu keinem Zeitpunkt hat der Verein rechtliche Grenzen überschritten”, - Philipp Külker.

Die Organisation fordert weiterhin, dass die Europäische Union ihrer Verantwortung nachkommt und ein staatliches Seenotrettungsprogramm initiiert. Die Arbeit der NGOs ist eine Notmaßnahme und keine Lösung. Die Europäische Union sollte zudem damit beginnen, Italien und Griechenland solidarisch bei der Umsetzung einer humanen Asylpolitik zu unterstützen, die nicht einzig auf die Abwehr von Menschen abzielt und deren Sterben in Kauf nimmt.

„Als junge Europäer_innen fordern wir unser Recht, die Zukunft unseres Kontinentes mitzubestimmen. Wir glauben daran, dass kein Mensch illegal ist und es sichere Migrationswege für jeden geben muss, egal auf welcher Seite einer Grenze man geboren wurde.“ - Sophie Tadeus, Administration Coordination.

JUGEND RETTET wird aktiv bleiben, bis eine humane Politik das Sterben an den europäischen Außengrenzen beendet, statt es in libysche Internierungscamps zu verlagern.
Seenotrettung ist kein Verbrechen.