Neue Bertelsmann-Studie - Willkommenskultur im „Stresstest“

Die Einstellungen in der Bevölkerung 2017 und Entwicklungen und Trends seit 2011/2012 wurden in der Bertelsmann-Studie durch repräsentative Bevölkerungsumfrage (Kantar Emnid) erneut untersucht.

Die Ergebnisse formuliert die Bertelsmann-Stiftung wie folgt im Überblick:

Stresstest bestanden, aber Skepsis gegenüber Einwanderung wächst

Die Willkommenskultur in Deutschland hat ihren ersten großen Stresstest bestanden, aber Einwanderung wird heute kritischer gesehen als in den Befragungen der Jahre 2012 und 2015. Zwar präsentiert sich Deutschland trotz des starken Zuzugs von Asylsuchenden in den beiden vergangenen Jahren als offene und gereifte Einwanderungsgesellschaft, aber die Skepsis gegenüber Einwanderung hat zugenommen. Willkommenskultur erweist sich als robust, Ost und West driften aber weiter auseinander.

Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass sowohl staatliche Stellen ihrer Kommune (77 Prozent) als auch die Bevölkerung vor Ort (70 Prozent) Einwanderer willkommen heißen, die in Deutschland arbeiten oder studieren wollen. Diese Wahrnehmung ist im Vergleich zu ähnlichen Umfragen seit 2011 kontinuierlich gestiegen. Es verfestigt sich somit der Eindruck, Deutschland öffne sich stärker für Einwanderung.

Auch gegenüber Flüchtlingen ist die wahrgenommene Willkommenskultur ausgeprägt. Allerdings wird sie im Blick auf Behörden deutlich positiver wahrgenommen (73 Prozent) als in Bezug zur Bevölkerung (59 Prozent). Die Willkommenskultur in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen wird mit einem Unterschied von 11 Prozentpunkten als weniger ausgeprägt wahrgenommen als die gegenüber Einwanderern. Für eine zügige Arbeitserlaubnis (88 Prozent) und erfolgreiche Integration (77 Prozent) von Flüchtlingen spricht sich eine konstant große Mehrheit aus. Der Anteil der Befragten, der Flüchtlinge als „Gäste auf Zeit“ sieht, die nicht integriert werden müssen, bleibt nahezu unverändert niedrig (23 Prozent).

Im Ost-West-Vergleich zeigen sich allerdings beachtliche Unterschiede. Schon vor zwei Jahren war auffällig, dass in den ostdeutschen Bundesländern entgegen dem Bundestrend die Skepsis gegenüber Einwanderung zugenommen hatte. Dieses Auseinanderdriften hat sich verschärft. Während im Osten mit 53 Prozent (West: 74 Prozent) immerhin noch eine knappe Mehrheit sagt, die Bevölkerung heiße Einwanderer willkommen, zeigt sich Deutschland in der Flüchtlingsfrage gespalten: Im Osten meinen nur noch 33 Prozent, die Bevölkerung heiße Flüchtlinge willkommen. Davon hingegen sind im Westen doppelt so viele Bürger (65 Prozent) überzeugt. Bereitschaft zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge sinkt im ganzen Land. Bundesweit gedreht hat sich die Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen. Eine knappe Mehrheit der Befragten (54 Prozent) sieht Deutschland an seiner Belastungsgrenze angekommen. Vor zwei Jahren teilten diese Auffassung nur 40 Prozent. Der Meinungsumschwung in dieser Frage erfolgte vor allem im Westen, so dass heute die Befragten in den alten Bundesländern wie die Befragten in den neuen Bundesländern mehrheitlich skeptisch gegenüber der Aufnahme weiterer Flüchtlinge sind.

Dafür steigt die Zustimmung (von 76 auf 81 Prozent) zu dem bislang nicht umgesetzten Vorschlag der EU-Kommission, dass jedes EU-Land, abhängig von Größe und Wirtschaftskraft, eine feste Anzahl an Flüchtlingen aufnehmen sollte. Eine überwältigende Mehrheit im Land ist also der Auffassung, dass jetzt nach Deutschland andere Länder in Europa an der Reihe sind, ihren Teil zur Lösung der Flüchtlingsfrage beizutragen.

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