DRK übernimmt Führung der Unterkunft Poliklinik

Die Gemeinschaftsunterkunft in den Gebäuden der alten Poliklinik ist mit 450 BewohnerInnen wohl die größte Unterkunft in Bonn. Die Verantwortung für ihren Betrieb und die Betreuung der Menschen lag bisher in den Händen der Stadt und ihrer Verwaltung. Nun behält diese nur noch das Gebäudemanagement in eigener Verantwortung, alle anderen Aufgaben wurden dem DRK übertragen. Die neue Entwicklung ist sicher Ausdruck des Übergangs vom Krisenmanagement zum Regelbetrieb und zur stärkeren Professionalisierung.

Die Veränderung überraschte die Ehrenamtlichen, die damit neue Ansprechpartner erhalten und sich fragen, welche Veränderungen ihrer Tätigkeit sich daraus entwickeln. Sie werden auch feststellen, in welche Richtung die Veränderungen für BewohnerInnen und Ehrenamtliche weisen: Stellen sie sich als Verbesserung dar oder gibt es Einschränkungen der Betätigung?

Die Mehrzahl der großen Unterkünfte in Bonn läuft mittlerweile unter der Leitung des DRK. Dieses bietet sich der Stadt als kompetenter Partner an und hat bisher mögliche Konkurrenten ausgestochen. Ob bei der Beauftragung des DRK auch eine (inoffizielle) Rolle spielt, dass in der Person von Georg Fenninger eine enge Verbindung zwischen Ratsmehrheit und DRK Bonn besteht? „Ich bin als hauptamtlicher Geschäftsführer der CDU-Ratsfraktion tätig. Zudem bin ich ehrenamtlicher Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes in Bonn,“ schreibt das langjährige Stadtratsmitglied auf der Seite der CDU-Fraktion.

Das DRK selbst schreibt als „Aktuell“ zur Flüchtlingshilfe: „derzeit betreut das DRK in Bonn 1.300 Flüchtlinge in Bonn und Alfter.“

  Auch Ermekeilkaserne, Gewerbehalle Maarstraße u v m unter der Flagge des DRK

Für das DRK stehen die Grundsätze der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Freiwilligkeit an oberster Stelle. Und natürlich ist das DRK auch als gemeinnützig anerkannt, unbestritten. Doch aufmerksamen BeobachterInnen stellt sich dabei auch die Frage: Inwieweit geht es hier neben der Hilfeleistung aus Menschlichkeit auch um wirtschaftliche Interessen eines Verbandes? Entwickelt sich das DRK zu einem mächtigen Player, vielleicht sogar Monopolisten, von dem die Stadt abhängig wäre? Und wie sieht es tatsächlich mit der Kompetenz der Hauptamtlichen vor Ort und bei den neu zu schaffenden Stellen aus, da es ja allgemein bekannt ist, dass von allen Institutionen, Verbänden, Ämtern händeringend mehrsprachige Fachkräfte gesucht werden? Dies sind Fragen, wohlgemerkt. Die Ehrenamtlichen sollten einen kritischen Blick wahren auf alle Rahmenbedingungen, die für die Zugewanderten geschaffen werden.   24. 6. 2016