„Unwörter“ des Jahres 2018 – der Rechtsruck zeigt sich im Sprachgebrauch

Unwörter des Jahres 2018: Platz 1 „Anti-Abschiebungs-Industrie“ - Platz 2 „Menschenrechtsfundamentalismus“ - Platz 3: „Ankerzentrum“

Wir zitieren einen Beitrag von Claus-Ulrich Prölß aus der Januar-Ausgabe der Flüchtlingspolitischen Nachrichten des Kölner Flüchtlingsrates.

Das Unwort des Jahres 2018 heißt: „Anti-Abschiebungs-Industrie“. Die jährliche Unwort-Aktion ist eine institutionell unabhängige Initiative von vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Ein Unwort muss, so die Grundsätze der Jury, sachlich unangemessen sein oder gegen Humanismus verstoßen. Das sei z.B. der Fall, wenn es gegen das Prinzip der Menschenwürde oder der Demokratie verstößt oder einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminiert oder wenn es euphemistisch, verschleiernd oder irreführend ist.

Das (Un-)Wort 2018 erfüllt diese Voraussetzungen. Es handelt sich um eine Worterfindung des CSU-Landesgruppenchefs Alexander Dobrindt. Die Formulierung sei im Mai 2018 „als offensichtlicher Kampfbegriff eingeführt worden“, erklärte die Jury. Der Ausdruck zeige, „wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie in bedenklicher Weise verändern“.

Ebenfalls kritisiert wurden übrigens die Wörter „Menschenrechtsfundamentalismus“ (Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen und Grünen-Politiker, anlässlich einer Debatte um die Seenotrettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer) und „Ankerzentrum“ (Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD). Die Jury hat absolut Recht! Der politische Rechtsruck drückt sich allerdings nicht nur in sprachlicher Hinsicht aus. Aus den Worten folgen Taten. Und umgekehrt.

Die Reaktionen aus dem rechten Lager sind erwartungsgemäß. Interessant ist auch die Kommentierung der Jungen Union Köln: „Wir kritisieren die Wahl zum Unwort des Jahres. ‚Anti-Abschiebe-Industrie‘ ist kein Unwort. Es ist Teil einer notwendigen öffentlichen Debatte über die Abschiebe- und Flüchtlingspolitik“, heißt es auf ihrer Facebook-Seite.

Ich meine, mit solchen hetzerischen Begriffen lassen sich wohl kaum Debatten führen, schon gar keine sachlichen. Dobrindt weiß das auch, davon ist auszugehen. Das Unwort 2018 greift Rechtstaatlichkeit und humanitäre Werte an und diffamiert jene, die fest an sie glauben und auch danach handeln. Rechtstaatlichkeit steht für uns aber nicht zur Debatte, Rechtstaatlichkeit muss verteidigt werden!