26.08.2025 Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) legte zehn Jahre nach dem legendären "Wir schaffen das" einen Kurzbericht (PDF) aktueller Analysen aus dem Institut vor
In aller Kürze
● Die Beschäftigungsquote der 2015 nach Deutschland zugezogenen Schutzsuchenden belief sich
neun Jahre nach dem Zuzug auf 64 Prozent, im Vergleich zu 70 Prozent in der Gesamtbevölkerung.● Mit einer Beschäftigungsquote von 76 Prozent bei den Männern und 35 Prozent bei den Frauen besteht nach wie vor ein erhebliches Gefälle zwischen den Geschlechtern. Das größte Potenzial für die weitere Zunahme der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten liegt daher in einem Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Frauen.
● Das mittlere Verdienstniveau von vollzeitbeschäftigten Geflüchteten lag 2024 bei 70 Prozent des
mittleren Verdienstniveaus aller Vollzeitbeschäftigten – und damit nur knapp über der Niedriglohnschwelle von 66 Prozent. Allerdings sind die Geflüchteten im Schnitt sehr viel jünger und verfügen über eine kürzere Berufserfahrung.● Die regionalen Unterschiede in den Beschäftigungsquoten und Verdiensten der Geflüchteten sind
groß. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich Arbeitsmarktlage und Wirtschaftskraft von Region zu Region deutlich unterscheiden.● Durch eine stärkere Berücksichtigung von Arbeitsmarktkriterien bei der räumlichen Verteilung hätten die Beschäftigungsquoten und Verdienste der Schutzsuchenden noch höher ausfallen können.
Die Frage, ob „wir es geschafft haben“, lässt sich angesichts der vielschichtigen Dimensionen von Integration und unklarer Erfolgskriterien nicht eindeutig beantworten. Dieser IAB-Kurzbericht
beleuchtet die Arbeitsmarktintegration der 2015 zugezogenen Geflüchteten – einen zentralen Indikator wirtschaftlicher und sozialer Teilhabe. Daten der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten verknüpft mit der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Die Beschäftigungsquoten der 2015 zugezogenen Geflüchteten haben sich weitgehend dem Niveau des Bevölkerungsdurchschnitts in Deutschland angenähert. Bei den Verdiensten besteht jedoch weiterhin ein deutlicher Rückstand.
Auf ihrer Sommerpressekonferenz vom 31. August 2015 nahm die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel zum starken Anstieg des Zuzugs von Schutzsuchenden Stellung und prägte damit das wohl berühmteste Zitat ihrer Amtszeit:
„Ich sage ganz einfach: Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das! Wir schaffen das, und dort, wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden. Der Bund wird alles in seiner Macht Stehende tun – zusammen mit den Ländern, zusammen mit den Kommunen –, um genau das durchzusetzen.“ (Angela Merkel)
Die viel zitierte Frage, ob „wir es geschafft haben“ bewegt seitdem die Öffentlichkeit. Sie entzieht sich naturgemäß einer exakten wissenschaftlichen Überprüfung, weil die Antwort viele Dimensionen hat und für die Bewertung von politischen Äußerungen wie der von Angela Merkel unterschiedliche Kriterien herangezogen werden können.
Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der vorliegende Bericht auf einen zentralen Aspekt: die Arbeitsmarktintegration der 2015 nach Deutschland zugezogenen Schutzsuchenden. Sie ist ein Schlüsselindikator für wirtschaftliche und soziale Teilhabe, spiegelt Fortschritte in Bereichen wie Sprache und Bildung wider und hat maßgeblichen Einfluss auf die gesamtwirtschaftlichen und fiskalischen Folgen der Fluchtmigration.
Im Fokus des Berichts stehen die Entwicklung der Arbeitsmarktintegration der 2015 zugezogenen
Geflüchteten in Hinblick auf Beschäftigungs- und Erwerbstätigenquoten, Verdienst, Leistungsbezug
und Qualität der Beschäftigung. Zudem nehmen wir Merkels Verweis auf die wichtige Rolle der
Länder und Kommunen zum Anlass, regionale Unterschiede in den Integrationsverläufen zu analysieren. Datengrundlage ist die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten, die für die meisten Analysen in diesem Bericht mit Registerdaten der Bundesagentur für Arbeit (BA) verknüpft wurde. So lassen sich präzise Informationen über Beschäftigung, Verdienste und Leistungsbezug aus den Sozialversicherungsdaten entnehmen. Auf dieser Basis können die untersuchten Personen auch dann weiterverfolgt werden, wenn sie nicht mehr an der Befragung teilnehmen.
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