72 Tote in Ceuta - Blick auf Stimmen zu dramatischen Tagen

03.08.2026 Drei Tage nach den schwerwiegenden Ereignissen von Ceuta steigt die Zahl der Toten noch. Heute wird die Zahl der geborgenen Leichen mit 72 verbreitet, mit dem Zusatz, dass weiter an der Küste nach angespülten Todesopfern gesucht wird. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst. 

Das sollte Anlass sein zum Innehalten, zum Trauern um junge Leute aus Marokko oder Krisen- und Kriegsgebieten in Subsahara-Afrika, die offenbar ein Verbleiben in Perspektivlosigkeit und Armut mehr fürchten als den Tod. 

Wir alle sahen die jungen Menschen in durchnässter Kleidung, die freudig aus dem Wasser stiegen, im Glauben, sie hätten Europa erreicht, das Ziel ihrer Hoffnungen. Doch die Exklave Spaniens ist nicht "Europa", wie sie sofort erfahren mussten. Sie erhielten nicht einmal Wasser und Nahrung. Ihnen blieb einzig der eingezäunte Durchgang zurück nach Marokko. Zumindest den Marokkanern, denn es dürfte zweifelhaft sein, dass Marokko Geflüchtete aus anderen Staaten zurücknimmt.

Was bleibt von diesen Tagen zurück?

Angstfördernde Schlagzeilen von Strömen, Chaos, Migrationskrise, Bilder von Massen "alleinreisender junger Männer", alle muslimisch - mittlerweile der Inbegriff alles Bösen, das Migration quasi zwangsläufig mit sich bringe...

Der Eindruck, wie fragil die Türsteher-Verträge der EU sind, wenn es noch weitere Interessen gibt...

Der Eindruck, dass Politiker*innen in Europa leugnen, was verantwortliche Journalist*innen wissen: dass Ceuta nicht im Schengenraum liegt und kein legaler Weg daraus aufs Festland führt, geschweige denn nach Italien, Dänemark oder Deutschland. Dass Kanzler Merz sich dem "Offenen Brief" Melonis anschließt, dass er und weitere rechts-konservative Politiker*innen in den Chor mit einfallen und wieder einmal das Geschäft der Rechtsextremen machen... Zu den besonnenen, faktenbasierten Menschen zählt er wieder einmal nicht.

... dass die an eigenen Interessen orientierte Politik der spanischen Regierung mit der Legalisierung langjährig dort tätigen "Illegalen" und die Rechtsprechung spanischer Gerichte innerhalb der weit nach rechts gerückten EU nicht gebilligt wird, ebenso wie eine kritischere Haltung zu den Kriegen Israels und der USA, dass es in diesem Falle keine Solidarität gibt...

... Und schließlich die traurige Bestätigung, dass es nie und nirgendwo um Bekämpfung von Fluchtursachen geht. Menschen und ihre Hoffnungen wurden instrumentalisiert und zum Spielball unterschiedlicher Interessen genutzt. Nur ihre eigenen Interessen zählen nicht.

Politisch werden die Ereignisse von Ceuta noch lange nachwirken. Im Meer um Ceuta wurde die Grenze, die nicht einmal gefährdete Außengrenze ist, sofort durch Barrieren abgeriegelt, damit auch dieser unsichere Weg versperrt ist. Mehr Festung wird sicher noch folgen.

Mittlerweile wird nach dem Auslöser der Ereignisse gefragt. Marokko bietet heute, drei Tage später, als Erklärung und Entschuldigung an, soziale Medien trügen die Schuld an dem Aufbruch der vielen. Das wird heute von allen Medien verbreitet. Ob dadurch Vermutungen gestoppt werden, die ein Zusammenspiel autokratischer Kräfte nahelegen, mit dem Ziel Europa zu spalten und die spanische Regierung zu isolieren? 

Wenn man die Reaktionen aus den Lagern in Europa hört und liest, dürfte diese Rechnung aufgegangen sein...

Im Folgenden ein Sammelsurium aus den Medien:

Nachdem 60.000 Menschen versucht hatten, die spanische Exklave Ceuta zu erreichen und dabei 70 Menschen starben, ist vieles noch ungeklärt. Wie geht die EU nun mit der Situation um? Im Interview ist Karl Kopp, Geschäftsführer von Pro Asyl.

  • Tagesschau 03.08.2026 Marokko sieht die Schuld bei Sozialen Medien

    Die seit Tagen erwarteten Verlautbarungen der marokkanischen Regierung werden in Europas Hauptstädten vermutlich sehr genau verfolgt. Denn noch immer hat niemand die Verantwortung dafür übernommen, dass so viele Menschen vergangene Woche die EU-Grenze bei Ceuta überwinden konnten - und dass so viele Menschen dabei zu Tode kamen.

    Kaum jemand in Marokko scheint wirklich daran zu glauben, dass der sonst so effektive Sicherheitsapparat ausgerechnet vor Ceuta einfach von der Menge überrumpelt worden sei.

Die Regierung nimmt zu solchen Spekulationen nicht direkt Stellung, verweist aber auf die Leistungen, die Marokko im Rahmen der Migrationspartnerschaft mit Europa erbringe.

Hat Spaniens Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) die Öffentlichkeit über die Lage in Ceuta belogen? Nach Angaben des Innenministeriums sei „fast die Gesamtheit“ aller illegalen Migranten nach Marokko zurückgekehrt. Aktuelle Aufnahmen aus der spanischen Exklave lassen daran aber erhebliche Zweifel wachsen. Hunderte Migranten rennen durch die Straßen, rufen dabei „Allahu Akbar“ ...

Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas (73) bestätigt, dass von einer Normalität auf den Straßen keine Rede sein könne. Er beziffert die Zahl der noch in Ceuta gebliebenen illegalen Migranten „auf Tausende“. Auch der staatliche Fernsehsender RTVE sowie ein Mitarbeiter des städtischen Aufnahmezentrums bestätigen gegenüber Reuters, dass sich weiterhin Tausende der Rückkehr widersetzten. Laut „RTVE“ handelt es sich vor allem um Migranten aus West- und Ostafrika.

Angesichts der Krise in der an Marokko grenzenden Exklave wurden auch Vermutungen geäußert, dass die marokkanische Regierung den Massenandrang auf Ceuta bewusst ausgelöst oder zumindest geduldet haben könnte, um Spanien unter Druck zu setzen. Mehrere Migranten schilderten spanischen Medien zufolge unabhängig voneinander, dass sie nicht gestoppt, sondern vielmehr zum Grenzübertritt ermuntert worden seien. Viele andere berichteten auch, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam geworden. 

Die Zahl der Todesopfer bezifferte die marokkanische Seite auf elf. Die spanischen Behörden sprachen zuletzt von mindestens 72 Migranten, die beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen seien. Viele von ihnen ertranken demnach, als sie nach Ceuta schwimmen wollten.

Am Sonntag hatte es geheißen, die spanische Regierung habe Warnungen von Geheimdiensten über eine mögliche Welle an Migranten nach Ceuta und Melilla erhalten. ... Die Regierung habe diese „systematisch ignoriert“.

Demnach warnten die Geheimdienste, dass der marokkanische König Mohammed VI. anlässlich des Thronfests eine „Geste der Großzügigkeit“ anweisen könnte. Hinzu kam, dass in den Tagen vor dem Donnerstag, als bis zu 60.000 Menschen von Marokko nach Ceuta schwammen, bereits massenhaft Reisebusse aus verschiedenen Orten Marokkos in die Grenzstadt Fnideq gekommen seien.

Während sich die Situation vor Ort wieder beruhigt, sorgt die Ceuta-Krise auf EU-Ebene weiter für politische Debatten. Außenminister Johann Wadephul (CDU) rief die EU-Kommission am Sonntag zur Einräumung absoluter Priorität für den Schutz der Außengrenzen auf. „Die Lage in Ceuta in den vergangenen Tagen war ein absoluter Stresstest, den wir bestanden haben“, sagte Wadephul „Bild am Sonntag“. „Die Situation hat gerade auch die Anfälligkeit Europas gezeigt. Ich erwarte daher, dass die EU-Kommission dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einräumt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefährden“, sagt er.

  • WELT 03.08.2026 ... Die Wut auf Spaniens linken Ministerpräsidenten in Teilen der Bevölkerung ist groß. Nachdem am Donnerstag innerhalb weniger Stunden etwa 50.000 bis 60.000 Menschen die Grenze von Marokko nach Spanien auf dem Land- oder Seeweg überquert hatten, hat Spanien nach eigenen Angaben rund 48.000 dieser Migranten inzwischen wieder nach Marokko zurückgeschickt.

Einige werden jedoch bleiben, darunter möglicherweise 7000 Minderjährige. Sánchez appellierte bereits am Freitag an die „Solidarität“ der autonomen Gemeinschaften, die fast 7000 Minderjährigen aufzunehmen und zu verteilen, wie die spanische Zeitung „El Español“ berichtete. Denn können die Minderjährigen nicht sicher an ihre Eltern oder andere geeignete Betreuungspersonen in ihrem Herkunftsland übergeben werden, ist eine Abschiebung nach spanischem und europäischem Recht regelmäßig unzulässig.

Bis zur Klärung übernimmt der spanische Staat beziehungsweise die zuständige autonome Gemeinschaft die Betreuung. Sánchez wies darauf hin, dass die aktuelle Migrationskrise derjenigen vom Mai 2021 sehr ähnlich sei, als mehr als 10.000 Migranten gewaltsam über die Landgrenze nach Ceuta eindrangen, was die autonome Stadt komplett überlastete. „Die Solidarität aus dem Rest des Landes war sehr positiv, insbesondere in Bezug auf die Frage der Minderjährigen“, merkte er an.

2025 änderte die spanische Regierung Artikel 35 des Einwanderungsgesetzes, der die Verteilung unbegleiteter Minderjähriger innerhalb Spaniens regelt. Seitdem können unbegleitete Minderjährige bei einer außergewöhnlichen Migrationslage verpflichtend nach einem festen Verteilungsschlüssel auf die autonomen Gemeinschaften verteilt werden, was Sánchez nun bereits andeutete.

Die marokkanische Regierung macht Falschinformationen in Sozialen Medien und Aktivitäten von Schleusern dafür verantwortlich, dass in den vergangenen Tagen Zehntausende Menschen versuchten, aus Marokko in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta zu gelangen.... Der Andrang der Migranten sei nicht organisiert gewesen, sondern spontan zustande gekommen. Es war die erste offizielle Stellungnahme des nordafrikanischen Landes.

Im Wasser vor Ceuta treibt inzwischen eine rund 500 Meter lange aufblasbare Barriere. Die schwimmende Sperre, die je nach Wellengang etwa 30 bis 70 Zentimeter aus dem Wasser ragt und bis zu einem Meter in die Tiefe reicht, soll verhindern, dass Migranten schwimmend in die spanische Stadt gelangen.

Der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil sprach von einer offenbar gezielt herbeigeführten Entwicklung. Ceuta sei "Ziel einer offenbar gesteuerten Migrationsbewegung" geworden, erklärte er. Die Menschen seien instrumentalisiert worden "in dem Versuch, Europa zu spalten". Deshalb stehe "die Geschlossenheit Europas und die Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle".

Die marokkanische Menschenrechtsorganisation AMDH dringt nach dem Ankommen Zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika auf eine Untersuchung zum Auslöser des Geschehens. Eine „seriöse und unabhängige Untersuchung“ sei nötig, um „vollständige Klarheit über die Umstände und Ursachen“ zu gewinnen, erklärte die Nichtregierungsorganisation (NGO) am Samstag. Auch müssten „Verantwortlichkeiten“ festgestellt werden.

Die AMDH spricht von „fast 130 Opfern“ und Dutzenden Vermissten im Zuge der Geschehnisse in der an Marokko grenzenden spanischen Exklave.

...Klingbeil. Zudem verwies der SPD-Chef darauf, dass viele Kritiker Spaniens bewusst ignorierten, „dass von Ceuta aus keine Einreise ohne Grenzkontrollen auf das europäische Festland möglich ist“.

Mit Blick auf den Ansturm von Zehntausenden Migranten pocht Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf wirksame Abwehr. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration. Ich habe die klare Erwartung an alle EU-Mitgliedstaaten, dass sie dieser Pflicht nachkommen“, erklärte er. „Spanien will und muss die Situation in Ceuta schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen“, so Merz. Er begrüße die Absicht der spanischen Regierung, die illegalen Migranten nicht auf den europäischen Kontinent zu lassen. „Von Marokko erwarten wir, dass sie die illegalen Migranten unverzüglich wieder zurücknehmen“, sagte der Bundeskanzler. „Die im Juni verabschiedete Rückkehrverordnung muss nun unverzüglich und umfassend umgesetzt werden.“

Mehrere Unionspolitiker gaben Spaniens sozialistischer Regierung eine Mitschuld an den Vorgängen: „Wer illegale Einreisen belohnt, bekommt mehr illegale Einreisen“, sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings der „Bild“. „Gemeinsam müssen wir mit Spanien und den EU‑Mitgliedstaaten jetzt dringend mit Marokko sprechen“, sagte Krings. „Nur mit der Hilfe unseres südlichen Nachbarn können wir einen größeren Migrantenansturm auf Europa verhindern.“Mehrere Unionspolitiker gaben Spaniens sozialistischer Regierung eine Mitschuld an den Vorgängen: „Wer illegale Einreisen belohnt, bekommt mehr illegale Einreisen“, sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings der „Bild“. „Gemeinsam müssen wir mit Spanien und den EU‑Mitgliedstaaten jetzt dringend mit Marokko sprechen“, sagte Krings. „Nur mit der Hilfe unseres südlichen Nachbarn können wir einen größeren Migrantenansturm auf Europa verhindern.“

... Alexander Throm, der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. „Wenn es noch einen Beweis gebraucht hätte, dass es Pull-Faktoren gibt, dann ist dieser mit den Geschehnissen in Ceuta erbracht“, sagte Throm dem „Spiegel“.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert ein hartes Vorgehen. „Wir können niemandem erlauben, in unsere Union zu kommen, ohne sich an unsere Regeln zu halten“, schrieb die deutsche Politikerin... „Die Bilder, die aus Ceuta kommen, sind inakzeptabel.“

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber forderte eine Stärkung der europäischen Grenzschutzagentur Frontex gefordert. „Ceuta ist nicht nur spanische Grenze, sondern auch europäische Grenze“, sagte der Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) am Freitag im ZDF-„heute-journal“. „Das darf Europa nicht passieren“, sagte Weber.

Junge Männer, unbegleitete Minderjährige, aber auch ganze Familien mit kleinen Kindern waren in den letzten Tagen zu Tausenden von marokkanischem Territorium in die spanische Exklave Ceuta geschwommen. In der 83 000-Einwohner-Stadt sorgte die Ankunft der nach Angaben der Zentralregierung in Madrid 50 000 Menschen innerhalb weniger Tage für einen Ausnahmezustand. Zugleich löste der Massenaufbruch auf EU-Territorium, das gleichwohl nicht Teil des sogenannten Schengen-Raums mit freiem Grenzverkehr ist, eine Welle von Alarmismus in der EU aus. Von Seiten der Vertreter*innen mehrerer Mitgliedstaaten ergingen Ermahnungen an Spanien, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Von einer die neuen »Migrationskrise« war die Rede.

Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation »schnellstmöglich wieder in den Griff« zu bekommen. »Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration«, betonte der CDU-Politiker.

»Wer jetzt mit der Forderung reagiert, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen, wie es sogar aus sozialdemokratischen Regierungen zu hören ist, geht Marokkos Erpressung auf den Leim und macht sich zum Steigbügelhalter der Rechten in Europa.«  Clara Bünger Die Linke im Bundestag

Zuvor hatte Bünger erklärt, dass Menschen »vor Krieg, Armut und Klimakrise« fliehen. »Höhere Mauern halten sie nicht auf, sie machen die Flucht nur tödlicher. Jetzt zählt zuerst, dass niemand mehr stirbt.« Die Menschen müssten medizinisch, mit Wasser und einem sicheren Ort versorgt werden.

Derweil gab es auch in Melilla, der anderen nordafrikanischen Exklave Spaniens, einige Hundert versuchte Grenzübertritte. In der knapp 400 Kilometer östlich von Ceuta gelegenen Stadt kontrollierten in der Nacht zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil die Grenze zu Marokko. Am Abend war es dort zu Auseinandersetzungen mit Beamten gekommen. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten. Ähnliche Szenen sollen sich auch in Fnideq, dem Startpunkt der Schwimmer*innen nach Ceuta, abgespielt haben.

  • Deutschlandfunk 01.08.2026 Der CSU-Europapolitiker Weber forderte als Reaktion mehr Befugnisse für die EU-Grenzschutzagentur Frontex. Im Sender RTL hielt er dem sozialistischen Regierungschef Spaniens, Sánchez, vor, einen unkontrollierten Zustand in Ceuta zugelassen zu haben.

Sánchez ist der letzte Linke an der Spitze eines großen EU-Landes. Ging es den Mächtigen beim Massenansturm auf Ceuta eher um ihn als um die Flüchtenden?

Etwa 60.000 Menschen umschwimmen den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta, mindestens 57 sterben dabei. Zwei Fragen bleiben danach: Wie verzweifelt muss man sein, um sich auf dieses Unterfangen einzulassen? Und: Wie inhuman sind diejenigen, die eben diese Verzweiflung für Machtinteressen ausnutzen?

Sánchez – Vorsitzender der Sozialistischen Internationalen – ist für viele ein Politiker, dessen es sich zu entledigen gilt.

Sánchez hat sich zu einer linken Leitfigur über Spaniens Grenzen hinaus entwickelt – und wurde so zur Zielscheibe vieler. Auch rechtsextreme Regierungen in Italien und Finnland reagieren mit Grenzkontrollen, als läge Ceuta nicht außerhalb Schengens und auf einem anderen Kontinent, sondern gleich nebenan. Am Ende stellt sich daher eine andere Frage: Was, wenn der marokkanische Monarch nur ein Instrument der neofaschistischen, trumpistischen Internationalen ist?

"Das darf Europa nicht passieren", so EVP-Chef Weber zu den Vorfällen in Ceuta. Die spanische Regierung müsse jetzt handeln und dafür sorgen, dass so etwas nicht wieder passiert.  

Weber im heute journal darauf angesprochen. "Das ist das, was jetzt die Schockwelle durch Europa geführt hat, und das darf Europa nicht passieren."

Und da waren leider die letzten 48 Stunden keine guten Stunden für die Funktionsfähigkeit dieser Außengrenze.  Manfred Weber

... Weber sieht auch eine Verantwortung bei Spanien für den großen Andrang von Migranten auf Ceuta: "Der zweite Grund [Neben der Schuldzuweisung an Marokko] war, dass die linke spanische Regierung auch einen Pull-Faktor angelegt hat." Die spanische Regierung hatte zuletzt Hunderttausenden Menschen, die illegal im Land waren, den Zugang zu Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erleichtert - allerdings nicht zur Staatsbürgerschaft, wie Weber im Gespräch im heute journal behauptete.

... Aus ganz Europa hagelte es Kritik an der sozialistischen Regierung von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez. UND: Dessen Haltung beim Thema Migration sorgt in der EU nicht zum ersten Mal für Streit.

... Viele europäische Regierungen, insbesondere Italien, werfen Madrid vor, mit dieser Politik einen „Pull-Faktor“ zu schaffen – also zusätzliche Anreize für Menschen, sich überhaupt auf den Weg nach Europa zu machen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) reagierte auf die Bilder aus Ceuta entsetzt – und drohte mit dem „Aussetzen des Schengen-Abkommens mit Spanien“.

Die meisten der in die Exklave Ceuta eingedrungenen Migranten sind offenbar bereits zurückgekehrt. Doch auf EU-Ebene haben die Bilder große Sorgen ausgelöst - und eine neue Debatte über Grenzschutz.

Inzwischen sind nach Angaben Spaniens nahezu alle der mindestens 50.000 irregulär eingereisten Menschen nach Marokko zurückgekehrt. Wegen der kaum vorhandenen Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Versorgung hätten die Menschen enttäuscht und freiwillig die Rückreise angetreten, berichtete die Zeitung El País.

Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez forderte zudem eine EU-Sondersitzung auf Ministerebene. In einem Brief an die Spitzen der europäischen Institutionen verurteilte er die "Haltung" einiger Mitgliedstaaten, die durch "Vorurteile, Falschinformationen, Unwissenheit oder politische Interessen" motiviert sei.

Die Staatschefs von 22 EU-Mitgliedsstaaten haben als Reaktion auf die Geschehnisse in der spanischen Exklave Ceuta in einem gemeinsamen Brief eine Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister gefordert. »Die Ereignisse der vergangenen Tage erfordern eine unverzügliche und koordinierte europäische Antwort«, heißt es in dem Schreiben an die irische EU-Ratspräsidentschaft. »Wir dürfen nicht zulassen, dass unkontrollierte Massenübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, eine illegale Einreise in die Europäische Union sei möglich – und dass aus der illegalen Einreise eines Migranten ein legaler Aufenthalt werden könne.«

Zu den Unterzeichnern gehört auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). ... Initiiert wurde der Brief von der rechten italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und ihrer sozialdemokratischen dänischen Kollegin Mette Frederiksen...

  • Spiegel 01.08.2026 Haben politische Entscheidungen in Spanien eine Mitschuld an der Krise in Ceuta? Ein Brief mehrerer europäischer Staats- und Regierungschefs legt nahe, dass die Unterzeichner das so sehen. Unter ihnen ist auch Kanzler Merz.

...Die Unterzeichner mahnen in dem Schreiben an, man müsse sich mit politischen Maßnahmen auseinandersetzen, die Anreize für Migration geben könnten – und nennen ausdrücklich die »Legalisierung einer sehr großen Zahl irregulärer Migranten« in Spanien. ... »Wir können nicht zulassen, dass unkontrollierte Massenübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck entstehen lassen, dass eine illegale Einreise in die Europäische Union möglich ist«

  • Zeit 01.08.2026 »Wir dürfen nicht zulassen, dass unkontrollierte Massenübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, eine illegale Einreise in die Europäische Union sei möglich – und dass aus der illegalen Einreise eines Migranten ein legaler Aufenthalt werden könne.«

Die spanische Regierung bezeichnete Drohungen anderer Länder mit einem Ausschluss Spaniens aus dem Schengenraum als »demagogisch«. Juristen zufolge ist eine solche Maßnahme nach geltendem EU-Recht nicht möglich. Für Ceuta gilt die Freizügigkeit des sonstigen Schengenraums nicht.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez sprach von einem "Angriff" auf die territoriale Integrität seines Landes.

"Wir brauchen jetzt Bilder, die klar um die Welt gehen, (...) dass die, die jetzt über das Meer nach Ceuta kamen, zurückgeschickt werden. Wenn man das sieht, dann wird diese Entwicklung innerhalb von wenigen Tagen aufhören." Gerald Knaus, Migrations-Experte

Knaus ergänzte, man müsse klarmachen, wer hier sein Leben riskiere - viele seien gestorben - "riskiert es umsonst". Die Botschaft müsse sein: "Es ist sinnlos sei Leben zu riskieren, um irregulär in die EU zu kommen."

Knaus sieht Europa vor zwei miteinander verbundenen Herausforderungen: dem Sterben von Migranten auf dem Weg nach Europa und dem wachsenden politischen Druck auf das Asylsystem. Um weitere Todesfälle an den Außengrenzen zu verhindern, müsse der Anreiz für irreguläre Migration sinken. Zugleich dürfe das Recht auf Asyl nicht aufgegeben werden.

"Wir müssen mehrheitsfähige Lösungen finden, die dazu führen, dass weniger Menschen sterben". Gerald Knaus, Migrationsexperte

Dafür seien faire Asylverfahren in sicheren Drittstaaten sowie internationale Abkommen nötig, so Knaus. Nur so ließen sich irreguläre Migration begrenzen, legale Wege für Schutzbedürftige schaffen und die Akzeptanz für das Asylrecht langfristig sichern.

Nach den jüngsten Migrantenanstürmen fordert der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (54, CSU), beharrliches Eingreifen, bis hin zum Einsatz der europäischen Grenzschutzagentur Frontex. Für den CSU-Politiker ist die Lage „inakzeptabel“, sagte er zu BILD. „Spanien muss umgehend für Ordnung sorgen.“

Webers klare Ansage: „Europa ist nicht erpressbar.“ Sollte die Regierung von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) die Lage nicht unter Kontrolle bekommen, müsse Frontex „vor Ort das Kommando übernehmen“. Es müsse auch klar sein, dass die ankommenden Migranten umgehend zurückgeführt werden. Das neue Asyl-Schnellverfahren sei hier anzuwenden.

... lägen „alle Reaktionsmöglichkeiten auf dem Tisch“. Auch EU-Innenkommissar Magnus Brunner (54) hatte die Bereitschaft der EU zum Ausdruck gebracht, Spanien „unter anderem über Frontex“ verstärkt zu unterstützen...

Genau hier liegt die Brisanz von Webers Vorstoß: Frontex ist keine europäische Grenzpolizei, die einfach in einem Land das Kommando übernehmen kann. Die Agentur wird von EU-Staaten gerufen und unterstützt sie – mit Grenzbeamten, Schiffen, Drohnen und Technik. Die Kontrolle über die eigene Grenze bleibt aber bei Spanien. Ein Frontex-„Übernehmen“ gegen den Willen Madrids wäre deshalb ein massiver Eingriff in die Souveränität eines EU-Mitgliedstaates.