12.05.2026 Was in Deutschland funktioniert, soll jetzt wohl auch EU-weit laufen. Die geplanten Gespräche, zu denen die Taliban nach Brüssel eingeladen werden, werden als "technisch" erklärt, um eine offzielle Anerkennung zu vermeiden. Ein erstes Treffen hat bereits im Januar stattgefunden.
Die Kontakte gehen auf eine Initiative von 20 EU-Mitgliedstaaten sowie assoziierter Schengen-Staaten vom Oktober vergangenen Jahres zurück. In einem Schreiben hätten die Staaten die Kommission aufgefordert, technische Gespräche über Rückführungen zu koordinieren. (SZ)
- nd 12.05.2026: EU plant Treffen mit Taliban-Vertretern in Brüssel
Nach Sondierungen vor Ort werden laut einem Sprecher der Kommission derzeit Gespräche mit »De-facto-Behörden in Afghanistan« vorbereitet.
Die EU will Vertreter der radikalislamischen Taliban-Regierung zu Gesprächen in Brüssel über Abschiebungen nach Afghanistan einladen. Ein Treffen auf »technischer Ebene mit den De-facto-Behörden in Afghanistan« werde derzeit vorbereitet, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Montag der Nachrichtenagentur AFP.
Aus informierten Kreisen hieß es, es solle in Kürze ein Schreiben nach Kabul geschickt werden, um einen Termin für die Beratungen in Brüssel zu vereinbaren. Der Besuch der Taliban-Vertreter würde auf zwei Reisen europäischer Vertreter nach Afghanistan zu Sondierungen über mögliche Abschiebungen von Afghaninnen und Afghanen aus der EU in ihr Heimatland folgen. Die EU erkennt die Taliban-Behörden nicht offiziell an.
Die geplanten Abschiebungen haben zahlreiche Bedenken ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen zufolge steckt Afghanistan mitten in einer humanitären Krise, verschärft durch Dürre und drastische Kürzungen bei der Auslandshilfe.
Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die radikalislamischen Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und ein sogenanntes islamisches Emirat ausgerufen. Seither setzen sie ihre strenge Auslegung des Islam mit drakonischen Gesetzen durch.
Rund 20 EU-Staaten streben trotzdem Abschiebungen nach Afghanistan an. In Deutschland wurden seit 2024 bereits mehr als hundert Afghanen abgeschoben, obwohl die Bundesregierung die Taliban nicht als rechtmäßige afghanische Regierung anerkennt. Nach Abschluss einer Vereinbarung mit der Taliban-Regierung wurden seit Februar dutzende straffällig gewordene Afghanen in ihr Heimatland abgeschoben.
In der Folge berichten weitere Medien ziemlich gleichlautend mit dem Thema, z. B.
- Handelsblatt 12.05.2026: EU will mit Taliban in Brüssel über Abschiebungen verhandeln
Vertreter der Taliban sollen nach Brüssel reisen, um dort mit der EU über die Ausweisung von Afghanen zu reden. Eine offizielle Anerkennung sei das aber nicht, betont ein Sprecher.
Die Europäische Union (EU) plant, Vertreter der in Afghanistan herrschenden Taliban zu Gesprächen nach Brüssel einzuladen. Dabei soll es um die Abschiebung afghanischer Migranten in ihr Heimatland gehen.
Ein Datum für das Treffen mit den Islamisten stehe noch nicht fest, teilte ein EU-Sprecher am Dienstag mit. Er betonte, dass die Einladung keine diplomatische Anerkennung der Taliban-Regierung bedeute. Es wäre der erste offizielle Besuch von Taliban-Vertretern bei der EU in Brüssel.
Seit der Machtübernahme der Islamisten vor fünf Jahren haben westliche Staaten die Taliban-Regierung nicht anerkannt. Zuvor war die afghanische Regierung zwei Jahrzehnte lang von US- und Nato-Truppen unterstützt worden. Seit dem Regierungswechsel haben Hunderttausende Afghanen in Europa Asyl gesucht.
Das europäische Recht erlaubt zwar die Abschiebung von Migranten, die Straftaten begehen oder als Sicherheitsrisiko gelten. Wegen der fehlenden diplomatischen Beziehungen zu den Machthabern in Kabul ließen sich diese Abschiebungen in der Praxis jedoch bislang kaum umsetzen.