26.10.2026 Bundesweit wurde am Samstag an Flughäfen gegen Abschiebungen und den Aufbau von Abschiebezentren protestiert, in NRW neben Düsseldorf auch in Köln/Bonn. Dazu hatte ein Bündnis aufgerufen.
Hier Berichte zu den Aktionen in Düsseldorf. Dabei wurden auch die Abschiebungen nach Afghhanistan und der aktuelle Fall der Abschiebung von einem Familienvater und der 19-jährigen Tochter nach Sri Lanka angesprochen; hierbei konnte die Abschiebung der Mutter und der jüngeren Brüder verhindert werden.
Kurz zuvor hatte Pro Asyl in einer Pressemitteilung auf einen VG-Entscheid hingewiesen, dem zufolge das Asylgrenzverfahren für eine Familie mit drei Kindern und einen alleinreisenden, kranken Mann am Berliner Flughafen BER gestoppt wurde; nach Ansicht des Gerichts war nicht sichergestellt, dass die Kinder und der kranke Mann angemessen versorgt wurden.
Deutschlandweit gibt es an Flughäfen Proteste gegen die Abschiebepolitik der Bundesregierung, auch am Flughafen Düsseldorf.
Von Moritz Börner. Es sind Herbstferien, Hauptreisezeit am Flughafen, tausende Urlauber schoben ihre Koffer heute durch das Terminalgebäude des Düsseldorfer Flughafens. Mittendrin die wehenden Fahnen von Flüchtlingshilfeorganisationen und Parteien wie der Linken oder der Grünen Jugend. Sie hatten zu einer Demo gegen die Abschiebepolitik der Bundesregierung aufgerufen.
"Return Hubs" in der Kritik
"Ich bin gegen die menschenverachtende Abschiebepolitik", erklärt eine Frau. Sie kritisiert, so wie viele andere Teilnehmer, dass im Zuge der EU-Asylreform die Abschiebepolitik in Deutschland verschärft wird. Deutschland bereitet zum Beispiel mit weiteren EU-Staaten die Errichtung von Abschiebezentren in Drittstaaten vor. In der EU abgelehnte Asylbewerber sollen von diesen sogenannten "Return Hubs" in ihre Heimatländer oder Nachbarstaaten zurückgebracht werden.
Die Bundesregierung hat zuletzt wiederholt betont, dass sie mehr Abschiebungen will. Zuletzt hatte die teilweise Abschiebung einer Leverkusener Familie nach Sri Lanka für Diskussionen gesorgt. (s. dazu 24.10.2026 Familie Rouf aus Leverkusen : Sohn Ruhaim spricht erstmals über Abschiebung)
Demonstranten wollen Abschiebegefängnis verhindern
Die rund 70 Menschen, die am Samstagnachmittag zum Düsseldorfer Flughafen gekommen sind, fordern mit einem großen Banner mit der Aufschrift "Abschiebegefängnis verhindern" auch den Baustopp eines Haftzentrums für abgelehnte Asylbewerber in Mönchengladbach. Dort sollen Haftplätze für 140 Menschen geschaffen werden.
Abschiebungen nach Afghanistan
Ali Nahawandi von der Flüchtlingshilfeorganisation "Afghanischer Aufschrei" ist einer der Organisatoren der Demonstration. Er hält es für falsch, dass die Bundesregierung Menschen nach Afghanistan abschiebt, trotz der schwierigen Menschenrechtslage. "Es soll mit aller Härte abgeschoben werden, obwohl sich an der Lage in den Ländern wie Afghanistan nichts verändert hat", sagt er, "es ist sogar alles schlimmer geworden."
Deutschlandweite Protestaktion
Im Düsseldorfer Flughafen schallten die Reden der Demo-Teilnehmer laut durch das Terminalgebäude. Viele Reisende liefen zum Check-In oder den Gates, ohne der Demo viel Aufmerksamkeit zu schenken. Manche blieben aber auch stehen und hörten zu. Ähnliche Kundgebungen gab es deutschlandweit unter anderem auch auch an den Flughäfen München, Berlin, Köln oder Frankfurt.
Bündnis demonstriert gegen Abschiebungen in Düsseldorf WDR Studios NRW 24.10.2026
Bundesweit haben Menschen gegen Abschiebungen protestiert. In Frankfurt und Düsseldorf sollen neue Abschiebezentren an den Flughäfen entstehen.
Aus Düsseldorf und Frankfurt von Bernhard Clasen und Yağmur Ekim Çay
An mehreren Flughäfen haben am Wochenende in ganz Deutschland hunderte Menschen gegen Abschiebungen demonstriert. Die Proteste richteten sich gegen die Ausweitung von Haft, gegen die Brutalisierung der Abschiebepraxis und eine Zunahme von Abschiebefällen insgesamt. „Es geht nicht nur darum, was passiert, wenn man eine Grenze überquert“, sagte Salah Kurdi von der Initiative Welcome United aus Darmstadt, die sich an den Protesten am Frankfurter Flughafen beteiligte. „Die Grenze begleitet einen auch im Alltag.“
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Auch in Düsseldorf soll am Flughafen ein Asylgrenzzentrum entstehen, in dem auch Familien interniert werden sollen – dagegen protestierten am Samstag etwa 80 Menschen im Terminal. Auf Transparenten und in ihren Redebeiträgen beklagten sie die zunehmende Brutalisierung der Abschiebungen. Sie kritisieren den geplanten Bau eines Abschiebegefängnisses in Mönchengladbach und die Zusammenarbeit der deutschen Behörden mit dem afghanischen Taliban-Regime.
Abschiebehaft, so betonten mehrere Rednerinnen und Redner, habe nichts mit begangenen Straftaten zu tun. Sie diene allein dazu, Abschiebungen für die Behörden zu erleichtern. Zugleich kritisierten sie die zunehmende Brutalität gegenüber den Inhaftierten in den Abschiebeeinrichtungen. Auf psychische Krisen reagiere man dort, berichtete eine Rednerin, mit Isolationshaft.
„Stellt euch vor, ihr liegt nachts in einer Zelle im Abschiebegefängnis. Und dann geht das Licht an und ihr müsst ein Lebenszeichen geben“, berichtet Frank Gockel vom Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren“. Im Abschiebegefängnis Büren sollen Menschen über so genannte „Lebenszeichenkontrollen“ regelmäßig geweckt werden, in Abständen von 15 Minuten. Bei einem dokumentierten Fall seien es sechs Wochen mit 5.000 Lebenskontrollen gewesen sein. „Wer ohnehin Angst vor einer Abschiebung hat, hat nicht einmal Zeit für Schlaf und Ruhe“, sagte Gockel, der seit 30 Jahren jede Woche Gefangene im Abschiebegefängnis in Büren besucht.
Auch Lizzy Schubert, Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete der Linken, kritisiert die Abschiebung insbesondere von Kindern und Babys. „Wir sind auf einer neuen Ebene der Unmenschlichkeit angekommen“, klagt sie. Noch deutlicher wird Gockel in seiner Kritik der Isolationsstationen mit Schlafentzug in Abschiebegefängnissen: „Andere mögen sagen, die ist notwendig, ich nenne das Folter.“
- 16.10.2026 Pressemitteilung von Pro Asyl: Grenzverfahren am Berliner Flughafen: Gericht lässt Familie mit drei Kindern einreisen
Das Verwaltungsgericht Cottbus hat das Asylgrenzverfahren für eine Familie mit drei Kindern und einen alleinreisenden, kranken Mann am Berliner Flughafen BER gestoppt. Nach Ansicht des Gerichts war nicht sichergestellt, dass die Kinder und der kranke Mann angemessen versorgt wurden. PRO ASYL fordert: keine Familien und schutzbedürftige Menschen in Grenzverfahren!
Die Betroffenen sind nun nach Deutschland eingereist und durchlaufen ihre Asylverfahren in regulären Verfahren. Die neuen Asylgrenzverfahren an den Außengrenzen gelten mit dem neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) seit Mitte Juni.
„Das sind keine Einzelfälle. Dahinter steht ein System der Verantwortungslosigkeit: Tempo und Abschreckung zählen in den neuen Grenzverfahren mehr als Menschenrechte. Asylsuchende gehören nicht hinter Zäune und Mauern. Grenzverfahren müssen ganz abgeschafft werden – und Familien mit Kindern und besonders Schutzbedürftige müssen schon jetzt davon ausgenommen werden“, so Helen Rezene, Geschäftsführerin von PRO ASYL.
Länger als zehn Tage wurden eine Familie aus Algerien – die Eltern und ihre drei Kinder im Alter von 10, 12 und 17 Jahren – und ein alleinreisender Mann aus Algerien im Transitbereich des BER festgehalten. Mit sechs Eilbeschlüssen entschied das Verwaltungsgericht Cottbus nun, dass sie einreisen und das reguläre Asylverfahren durchlaufen dürfen.
Ärztliche Hilfe angefordert – aber nicht erhalten
Die Mutter berichtete dem Rechtsanwalt der Familie, dass ihr Sohn durch die Bedingungen im Grenzverfahren an schweren psychischen Belastungen leide, kaum schlafen und essen könne. Die Tochter, die einen Infekt habe, habe keine adäquate ärztliche Behandlung bekommen. Der alleinreisende Antragsteller leidet an diversen körperlichen und seelischen Beschwerden. Die Anforderung von ärztlicher Unterstützung wurde nach einem Aktenvermerk der Bundespolizei nicht weiter verfolgt.
„Die Grenzverfahren sind bundesweit einzustellen, solange das BAMF nicht in eigener Verantwortung sicherstellen kann, dass schutzbedürftigen Personen in den Grenzverfahrenseinrichtungen die nötige Unterstützung geboten wird. Das ist nach Angaben der Bundesregierung bislang nicht der Fall, weil die Einrichtungen von den Ländern betrieben werden. Die Beschleunigung von Asylverfahren darf nicht auf Kosten der Gesundheit von Schutzsuchenden und auf dem Rücken von Kindern und Familien ausgetragen werden“, so Rechtsanwalt Christoph Tometten, der die Betroffenen vertritt.
Gericht: Zuständigkeit ungeklärt
Das Gericht wertete das mehr als zehntägige Festhalten als erheblichen grundrechtsrelevanten Eingriff in die Bewegungsfreiheit. Die Mitgliedstaaten müssten bei der Unterbringung die Garantien der EU-Aufnahmerichtlinie für das Kindeswohl und die medizinische Versorgung kranker Personen sicherstellen. Das lasse sich für den BER nicht mit der erforderlichen Gewissheit feststellen: Zuständig für das Grenzverfahren ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Einrichtung betreibt jedoch die Zentrale Ausländerbehörde Brandenburg. Unklar blieb, ob das BAMF über Kontroll- und Weisungsrechte verfügt, um Mängel selbst zu beheben. Nach einer Folgenabwägung entschied das Gericht zugunsten der Betroffenen.
Kinder werden im Transitbereich festgehalten
Mit der GEAS-Reform wurden die Grenzverfahren ausgeweitet. Seitdem können auch Kinder gemeinsam mit ihren Eltern bis zu zwölf Wochen im Transitbereich festgehalten werden. Wird der Asylantrag abgelehnt, kommen im Rückkehrgrenzverfahren bis zu zwölf weiteren Wochen hinzu, sodass ein Kind fast ein halbes Jahr am Flughafen eingesperrt sein kann. Die Betroffenen gelten rechtlich als nicht eingereist und dürfen den Bereich nicht verlassen. Der Europäische Gerichtshof und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte haben das Festhalten in Transitzonen bereits vor dem Inkrafttreten des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems als Freiheitsentziehung bewertet. PRO ASYL stellt klar: Das ist Haft – und Haft muss in Deutschland von Richter*innen angeordnet werden, nicht von einer Behörde oder anderen Institutionen.
PRO ASYL unterstützt die Klageverfahren in der Hauptsache über den PRO-ASYL-Rechtshilfefonds.