14.07.2026 Einen Stabilitätsfaktor für den deutschen Arbeitsmarkt mit maßgeblicher Wirkung auf das Beschäftigungswachstum stellen die Menschen dar, die als Asylsuchende nach Deutschland gekommen sind. Dazu veröffentlichte jetzt die Bundesagentur für Arbeit Zahlen.
Geflüchtete haben in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit maßgeblich dazu beigetragen, den Bedarf nach Arbeitskräften zu decken.
Ohne Zuwanderung aus dem Ausland wäre die Anzahl der erwerbstätigen Menschen in Deutschland bereits in der Vergangenheit stark gesunken. Zwischen 2014 und 2024 sei diese Zahl um 3,9 Millionen Menschen zurückgegangen. Gleichzeitig nahm die Zahl der erwerbsfähigen Menschen ohne deutschen Pass um 3,4 Millionen zu.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den Hauptfluchtländern habe sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre mehr als verdoppelt. Die häufigsten Herkunftsländer sind Syrien und Afghanistan. (ZEIT)
Am 02.07.2026 hatte die Bertelsmann-Stiftung ebenfalls Zahlenmaterial veröffentlicht. Hierbei werden Geflüchtete als eine Gruppe unter allen Ausländer*innen betrachtet. s. unten
- ZEIT 14.07.2026 Asylzuzug und Arbeitsmarkt Asylsuchende stabilisieren deutschen Arbeitsmarkt
Ohne Menschen aus dem Ausland wäre die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland stark gesunken. Ein Großteil kommt aus Asylherkunftsländern wie Syrien und Afghanistan.
Geflüchtete haben in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit maßgeblich dazu beigetragen, den Bedarf nach Arbeitskräften zu decken. Zwischen Juni 2014 und Juni 2025 sei der Aufbau des Arbeitsmarktes überwiegend von ausländischen Beschäftigten getragen worden, teilte die Behörde mit. 43 Prozent des Beschäftigungswachstums entfielen demnach auf Staatsangehörige aus Staaten außerhalb der EU – rund ein Drittel davon komme aus den acht häufigsten Asylherkunftsländern.
Ohne Zuwanderung aus dem Ausland wäre die Anzahl der erwerbstätigen Menschen in Deutschland bereits in der Vergangenheit stark gesunken. Zwischen 2014 und 2024 sei diese Zahl um 3,9 Millionen Menschen zurückgegangen. Gleichzeitig nahm die Zahl der erwerbsfähigen Menschen ohne deutschen Pass um 3,4 Millionen zu.
»Gelingende Arbeitsmarktintegration«
»Diese Entwicklung ist auch auf eine gelingende Arbeitsmarktintegration zurückzuführen. Geflüchtete haben maßgeblich zum Beschäftigungswachstum beigetragen«, sagte Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den Hauptfluchtländern habe sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre mehr als verdoppelt. Die häufigsten Herkunftsländer sind Syrien und Afghanistan.
»Die Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen das vorhandene Potenzial, und das müssen wir weiter gemeinsam erschließen«, betonte Terzenbach. Dies bedeute auch eine Investition in die Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes.
In Westdeutschland trügen Deutsche und Zugewanderte gemeinsam zum Aufbau neuer Jobs bei, teilte die Bundesagentur mit. In vielen Regionen Ostdeutschlands stammten neue Beschäftigte dagegen fast ausschließlich aus dem Ausland und machten dort die Folgen des demografischen Wandels zumindest teilweise wett. Während die Zahl von Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit bei höher qualifizierten Tätigkeiten steige, glichen Zugewanderte die Rückgänge bei Helfer- und Fachkrafttätigkeiten zum Teil aus.
Geburtenschwache Jahrgänge kommen
Allerdings: Die Zuwanderung kann die demografischen Probleme des deutschen Arbeitsmarktes inzwischen nicht mehr vollständig auffangen. Für 2026 wird das Erwerbspotenzial – also die Zahl der Erwerbstätigen plus potenziell verfügbare Erwerbstätige – erstmals um rund 40.000 sinken, wie die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles, erklärte. Die Entwicklung dürfte sich in den nächsten Jahren verstärken, weil Menschen aus geburtenstarken Jahrgängen in Rente gehen.
- 02.07.2026 Bertelsmann-Stiftung Zuwanderung stützt den deutschen Arbeitsmarkt – doch die Integration muss besser werden
Ohne Zuwanderung würde die deutsche Wirtschaft in vielen Bereichen nicht funktionieren. 17 Prozent der in Deutschland Beschäftigten haben eine ausländische Staatsangehörigkeit, Tendenz steigend. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der deutschen Beschäftigten um 269.000 Personen auf knapp 29 Millionen gesunken. Der Anteil ausländischer Beschäftigter stieg dagegen um 194.000 Beschäftigte auf mehr als 5,9 Millionen. Unter dem Strich fehlen damit binnen eines Jahres 75.000 Beschäftigte. Eine bessere Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten mindert nicht nur den Fachkräftemangel, sondern erhöht auch die Steuereinnahmen und stabilisiert die Sozialversicherung. Besonders große Potenziale gibt es bei Frauen aus Asylherkunftsländern und bei qualifizierten Zugewanderten, die zu oft als Helfer:innen eingesetzt werden. Dafür müssen Hürden bei Sprache, Anerkennung, Behördenprozessen und Kinderbetreuung abgebaut werden.
Knapp die Hälfte der Beschäftigten in Reinigungsberufen hat eine ausländische Staatsangehörigkeit (47,5 Prozent). In der Lebensmittelherstellung sind es fast 44 Prozent, die Tourismus- und Gastronomiebranche hat einen Anteil von 36 Prozent ausländischer Beschäftigter. Auch im Engpassberuf Pflege kommt mehr als jede:r fünfte Beschäftigte aus dem Ausland. In den kommenden Jahren wird sich dieses Phänomen wegen des demografischen Wandels noch verstärken - denn jeder vierte deutsche Beschäftigte ist älter als 55 und geht innerhalb der nächsten zehn Jahre in Rente. Ausländische Beschäftigte sind dagegen viel jünger, bei ihnen liegt der Anteil der Älteren nur bei gut zwölf Prozent. "Die Zahlen zeigen: Ohne Zuwanderung in beträchtlicher Höhe geraten viele Branchen in Schwierigkeiten. Auch wenn mancherorts Stellen abgebaut werden, gibt es weiterhin über eine Million offene Stellen in Deutschland. Wer den Wohlstand unserer Gesellschaft bewahren will, muss die Integration von Zugewanderten verbessern", sagt unser Arbeitsmarktexperte, Tobias Ortmann. "Es ist höchste Zeit, die Debatte um Zuwanderung zu versachlichen."
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Sprache und Anerkennung bleiben die zentralen Schlüssel zur Integration
Zuwanderung stützt den Arbeitsmarkt bereits heute. Wie groß ihr Beitrag künftig wird, hängt aber davon ab, ob Hürden auf dem Weg in Arbeit und in qualifikationsgerechte Beschäftigung abgebaut werden. Eine zentrale Hürde ist die Sprache: Gute Deutschkenntnisse erhöhen die Chance auf Arbeit schon kurz nach der Ankunft, besonders bei Frauen. Sprachförderung muss verlässlich finanziert, mit Qualifizierung und Kinderbetreuung verzahnt und berufsbegleitend möglich sein. Ähnlich entscheidend ist die Anerkennung von Abschlüssen und Berufserfahrung. Viele Zugewanderte bringen Qualifikationen mit, können sie in Deutschland aber nicht nutzen. Unterschiedliche Zuständigkeiten beispielsweise nach Berufsfeld und Region führen zu langen Verfahren und häufig nur zu Teilanerkennungen. Diese dürfen nicht zum Endpunkt werden: Nachqualifizierungen müssen schneller, berufsbegleitend und finanzierbar sein. Fehlende Dokumente sollten häufiger durch Qualifikationsanalysen und Kompetenzfeststellungen ausgeglichen werden.