Bonn: Rege Aktivität der Taliban im Konsulat. AfD-Mann bewirbt sich für Praktikum bei den Taliban

31.05.2026 Nachbar*innen des afghanischen Konsulats beobachten ein starkes Besucheraufkommen im afghanischen Konsulat, das seit Oktober 2025 von den Taliban geführt wird, mit offizieller Akkreditierung durch die Bundesregierung. Überwiegend Männer kommen nicht drumherum, in Passangelegenheiten die Taliban aufzusuchen, vor denen sie geflohen sind. Sie müssen dort Pässe erhalten, die hier bei den Ausländerbehörden vorgelegt werden müssen. Den Autokennzeichen zufolge reisen auch Menschen aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich an. (s. dazu auch Pro Asyl vom 13.11.2025 Taliban übernehmen Botschaft in Deutschland: Was das für hier lebende Afghan*innen bedeutet)

Der General Anzeiger berichtete über die Beobachtungen in der Nachbarschaft. Die fühlt sich beeinträchtigt durch das Parken vieler Autos und den längeren Aufenthalt beim Schlangestehen, wobei Toiletten fehlen.

Den (kostenpflichtigen) Beitrag bot der GA am 29.05.2026 an: Afghanisches Konsulat in Bonn Taliban arbeiten mit deutschen Behörden, Afghanen und Anwohner leiden

Die Taliban in Bonn sorgen für Schlagzeilen: Der radikalislamistische Chef des Konsulats schreibt ein Praktikum aus und bereitet zusammen mit deutschen Behörden Abschiebung von Afghanen vor. Währenddessen leiden Nachbarn des Konsulats unter der Situation vor Ort.

 

Mit dem "Chaos für Anwohner" (GA) nicht genug. Die Taliban veröffentlichten kürzlich eine Angebot für eine Praktikumsstelle in Bonn. Ein AfD-Mann aus Baden-Württemberg hat sich daraufhin beworben.

„Ich bewerbe mich bei den Taliban“, posiert er mit Turban und AfD-Logo in den sozialen Medien.

„Es wäre mir eine Ehre, in der Sommerpause des Landtags einige Wochen unentgeltlich im Interesse sowohl Deutschlands wie auch Afghanistans zu wirken“, bekennt der Landtagsabegeordnete aus Reutlingen, Maximilian Gerner.

Hier der Beitrag der Kölnischen Rundschau:

Der Einzug der radikalislamischen Taliban in Bonn hatte für Entsetzen gesorgt. Der AfD-Politiker sieht darin keinen Hinderungsgrund.

Wer gerade auf der Suche nach einem Praktikumsplatz ist, könnte bei dem Angebot durchaus hellhörig werden: Unter anderem wird mit „Berufserfahrung in einer diplomatischen Vertretung“ geworben, auch die Aussicht auf „Arbeit in einem mehrsprachigen, interkulturellen Umfeld“ klingt womöglich verlockend.

Der Blick auf den Anbieter sorgt unterdessen für Verwunderung. Denn die Ausschreibung für das Praktikum findet sich auf der Seite des afghanischen Generalkonsulats in Bonn. Seit Oktober 2025 haben die radikalislamistischen Taliban das Konsulat übernommen. Deutschland ist damit der einzige Staat in der Europäischen Union, der Taliban als Diplomaten zulässt.

Die Übernahme des afghanischen Konsulats im vergangenen Herbst hatte für einen Eklat gesorgt. Der bisherige Bonner Generalkonsul Hamid Nangialay Kabiri sowie die gesamte Belegschaft hatten aus Protest die Arbeit niedergelegt.

Zu der Stellenanzeige äußerte sich das Auswärtige Amt auf Anfrage zunächst nicht. Auch das afghanische Generalkonsulat in Bonn stand für Rückfragen bisher nicht zur Verfügung.

AfD-Politiker bewirbt sich beim afghanischen Generalkonsulat in Bonn

Bei der AfD stieß die Stellenanzeige jedoch offenbar auf große Aufmerksamkeit. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Maximilian Gerner bekundete öffentlich sein Interesse an dem unbezahlten Praktikum bei den Taliban.

Wie die AfD erklärte, habe Maximilian Gerner seine Bewerbung am Montag (19. Mai) eingereicht. „Es wäre mir eine Ehre, in der Sommerpause des Landtags einige Wochen unentgeltlich im Interesse sowohl Deutschlands wie auch Afghanistans zu wirken“, wird Gerner zitiert.

Auch für die afghanischen Generalkonsulate in Grünwald bei München sowie bei der afghanischen Botschaft in Berlin habe er Bewerbungen eingereicht, so die AfD weiter.

"Da ich mich schon sehr lange für die Entwicklungen in der islamischen Welt und ihren Einfluss auf Deutschland und Europa interessiere."  Maximilian Gerner (AfD)

Der 28-jährige Maximilian Gerner war bei der Landtagswahl im März erstmals für den Wahlkreis Reutlingen ins baden-württembergische Parlament gewählt worden. Da er „sich schon sehr lange für die Entwicklungen in der islamischen Welt und ihren Einfluss auf Deutschland und Europa interessiere“, habe er nicht lange gezögert, sich auf den Praktikumsplatz zu bewerben.

Als diplomatische Vertretung Afghanistans sind die Konsulate aktuell besonders für die Abwicklung ausreisepflichtiger Afghanen ein wichtiger Akteur, teilte Gerner weiter zu seiner Begründung für seine Bewerbung mit.

AfD-Abgeordneter zeigt sich mit Turban: „Ich bewerbe mich bei den Taliban“

Auch in den sozialen Netzwerken machte der AfD-Landtagsabgeordnete auf den Vorgang aufmerksam. Ein Foto mit AfD-Logo zeigt Maximilian Gerner mit Turban, der traditionellen Kopfbedeckung in Afghanistan. „Ich bewerbe mich bei den Taliban“, so die unmissverständliche Zeile des AfD-Politikers.

Die Tatsache, dass Afghanistan von den Taliban regiert wird, sieht der AfD-Abgeordnete ausdrücklich nicht als Hinderungsgrund für seine Bewerbung. „Jahrzehntelange westliche Militäreinsätze haben die Taliban nicht dauerhaft von der Macht fernhalten können. Ihre erneute Machtübernahme 2021 erfolgte ohne nennenswerten Widerstand. Das spricht in meinen Augen sehr dafür, dass das afghanische Volk sich diese Regierung mehrheitlich wünscht. Und dann muss mit dieser Regierung auch in beiderseitigem Interesse zusammengearbeitet werden.“

Afghanen in Deutschland schockiert über Praktikumsangebot

Ob Gerner mit seiner Bewerbung Erfolg haben wird, ist aber fraglich. Zwar sind laut Ausschreibung auch deutsche Staatsangehörige gesucht, allerdings wird hervorgehoben, dass Bewerber mit Sprachkenntnissen in Dari und Paschtu, den Landessprachen Afghanistans, „sehr willkommen“ sind.

Bei vielen Afghaninnen und Afghanen in Deutschland löst die Suche der Radikalislamisten nach Praktikanten großes Unbehagen aus. Die vergleichsweise moderne Wortwahl hält die deutsch-afghanische Menschenrechtsaktivistin Patoni Teichmann für eine Täuschung. Die Taliban betreiben ihrer Ansicht nach radikalisierte Nachwuchsarbeit.

„Wenn die Taliban in Europa junge Menschen institutionell einbinden, Netzwerke aufbauen und eine politische Präsenz etablieren, dann geht es nicht mehr nur um Verwaltung, Konsular- oder Botschaftsarbeit. Es geht um langfristige Einflussräume. Das muss man stoppen“, erklärt Teichmann gegenüber dem „WDR“.