14.07.2026 Save the Children und der Paritätische Gesamtverband weisen auf die systematische Benachteiligung geflüchteter Kinder hin. Rund 100.000 Kinder beziehen Grundleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG), die niedriger als die Grundsicherung liegen. Die Verbände fordern eine Kindergrundsicherung und Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes.
»Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen eindeutig: Geflüchtete Kinder werden in Deutschland systematisch benachteiligt«, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland. »Es darf nicht sein, dass Kinder aufgrund ihres Aufenthaltsstatus von vielem ausgeschlossen sind, was für Gleichaltrige in Deutschland selbstverständlich ist.« Es brauche eine »echte Kindergrundsicherung«.
»Kinder, die Schutz in Deutschland suchen, brauchen dieselben Rechte wie alle anderen Kinder in Deutschland.«
Darüber berichtete die ZEIT:
- ZEIT 14.07.2026 Geflüchtete Kinder in Deutschland: Verbände fordern Abschaffung von Asylbewerberleistungsgesetz
Save the Children und der Paritätische Gesamtverband beklagen eine gravierende Benachteiligung geflüchteter Kinder. Die Bezahlkarte verschärfe die Probleme sogar noch.
Kindern in geflüchteten Familien wird nach Einschätzung von Betreuungspersonal in Deutschland kaum soziale Teilhabe, gesunde Ernährung oder eine angemessene Gesundheitsversorgung gewährt. Das zeigt eine bundesweite Befragung durch den Paritätischen Gesamtverband und die Kinderrechtsorganisation Save the Children, die diese Anfang des Jahres unter 450 Mitarbeitenden von Beratungsstellen, Kitas und Unterkünften mit Geflüchteten geführt haben. Die Organisationen fordern eine Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG).
In Deutschland beziehen dem Statistischen Bundesamt zufolge etwa 100.000 Kinder Grundleistungen nach dem AsylbLG, die niedriger als die Grundsicherung liegen. Der Studie zufolge geben 87 Prozent der befragten Fachkräfte, die täglich mit geflüchteten Kindern und Familien arbeiten, an, die Teilhabe der Kinder sei stark eingeschränkt. Das habe auch mit der Bezahlkarte zu tun: Diese sehen 90 Prozent der Befragten negativ, da sie stigmatisiere und soziale Teilhabe unmöglich machte, etwa weil Sportvereine nicht mehr bezahlt werden könnten. Auch die fehlende Finanzierung von Mobilität sei eine zusätzliche Hürde.
Schlechte Versorgung und Existenznöte
74 Prozent halten demnach zudem die Gesundheitsversorgung geflüchteter Kinder für unzureichend. Sprachbarrieren seien ein Problem, oft würden aber Leistungen auch nicht von den Behörden übernommen. Mehr als 70 Prozent der Befragten sagten demnach auch, eine gesunde Ernährung der Kinder sei in den betroffenen Familien nicht möglich. Grund dafür sei sowohl das fehlende Geld für Lebensmittel als auch die oftmals schwierige Unterbringung in Unterkünften ohne eigene Kochmöglichkeiten.
Auch bei der Unterbringung sei es für geflüchtete Familien schwieriger: 73 Prozent der Befragten gaben an, dass geflüchtete Menschen beim Wohnen auch gegenüber anderen Leistungsbeziehenden benachteiligt seien. Vor allem Sammelunterkünfte kritisierten sie.
Familien mit Kindern haben der Studie zufolge zusätzlich oft mit Leistungskürzungen zu kämpfen: Der Befragung zufolge ist etwa die Hälfte der Familien mit Kindern von Kürzungen oder einer kompletten Streichung der Unterstützung betroffen. Doch auch Verzögerungen der Zahlungen wirken sich demnach stark aus: Etwa 70 Prozent der Befragten gaben an, dass Kinder und Neugeborene in von ihnen beratenen geflüchteten Familien schon einmal deswegen in existenzielle Nöten gerieten. Grund können etwa fehlende Papiere sein.
Organisationen fordern Kindergrundsicherung
»Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen eindeutig: Geflüchtete Kinder werden in Deutschland systematisch benachteiligt«, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland. »Es darf nicht sein, dass Kinder aufgrund ihres Aufenthaltsstatus von vielem ausgeschlossen sind, was für Gleichaltrige in Deutschland selbstverständlich ist.« Es brauche eine »echte Kindergrundsicherung«.
Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Joachim Rock, sagte: »Leistungskürzungen und Leistungsausschlüsse dürfen Familien mit Kindern nicht mehr treffen, und die Versorgung Neugeborener muss immer Vorrang haben, auch wenn Papiere fehlen.« Das Asylbewerberleistungsgesetz müsse abgeschafft werden. »Kinder, die Schutz in Deutschland suchen, brauchen dieselben Rechte wie alle anderen Kinder in Deutschland.«