Faktencheck zum Merz-Sommerinterview: "Aussage zu Migration nicht nachvollziehbar"

04.09.2026 Der Faktencheck der Tagesschau ergab: Viele Aussagen des Kanzlers waren "ungenau". Die Korrekturen der Faktenfinder nicht allein zum Thema Migration sind umfangreich.

Der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Merz war im ARD-Sommerinterview zu Gast. Bei den Themen Migration, Klimaschutz und Ölpreis waren seine Aussagen ungenau. ...

Aussage zu Migration nicht nachvollziehbar

Mit Blick auf die Migration in Deutschland behauptete Merz, dass die Bundesregierung die Zahlen innerhalb von gut einem Jahr um über 60 Prozent herunterbringen konnte. Doch das ist aus mehreren Gründen nicht nachzuvollziehen.

Zum einen ist fraglich, was Merz genau mit Migration meint. Zum anderen ist nicht ganz klar, auf welchen Zeitraum er sich dabei bezieht.

Nimmt man die Zahl der Asylanträge, dann ist der Zeitraum entscheidend. So wurden nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 56.547 Asylanträge gestellt, darunter 39.646 Erstanträge. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sank die Zahl der Erstanträge um 35,4 Prozent - also deutlich weniger als die von Merz genannte Zahl. Vergleicht man die Zahl der Asylerstanträge für das zweite Halbjahr 2025 und das erste Halbjahr 2026 mit dem Vorjahreszeitraum, so sind die Asylerstanträge von 169.671 auf 91.546 gesunken - ein Minus von 46 Prozent.

Vergleicht man nur einzelne Monate, schwanken die Zahlen sehr stark: Im Juli 2026 lag die Zahl der Asylerstanträge mit 4.311 sogar rund 48 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Ein Rückgang um knapp 60 Prozent wurde mit Blick auf die einzelnen Monate seit Merz' Amtsantritt lediglich für den August 2025 im Vergleich zum August 2024 registriert.

Wichtig ist in dem Zusammenhang zudem, dass der generelle Abwärtstrend der Asylzahlen bereits vor dem Amtsantritt der Merz-Regierung einsetzte. Nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 gingen die Asylzahlen in Deutschland zurück. Auch auf europäischer Ebene sank die Zahl der Asylanträge bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2025.

Auch bei der allgemeinen Migration zeigen die offiziellen Statistiken einen Rückgang. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wanderten im Jahr 2025 rund 235.000 Menschen mehr nach Deutschland ein als aus. Damit lag die Nettozuwanderung um 45 Prozent unter dem Vorjahreswert von 430.000 Personen. Die Zahl der Zuzüge sank gegenüber 2024 um rund 13 Prozent, während die Zahl der Fortzüge nahezu stabil blieb.

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