Fortsetzungsgeschichte um "Coesfelder Liste"

06.10.2026 Nachdem der Kölner Skandal um die Coesfelder Liste beendet schien, wird bekannt, dass das Hilfsangebot des Landes NRW zur Abschiebung Ausreisepflichtiger, die aus dem Westbalkan stammen, von den meisten Ausländerämtern nicht angenommen oder ignoriert wurde, ebenso wie von Köln.

Das ging aus der Antwort auf eine parlamentarische Frage im Landtag hervor und löste eine zweite Serie von Berichten aus.

Die Coesfelder Liste löste in Köln eine Debatte über Straftäter aus. Dürfen Städte Hilfe bei Abschiebungen ablehnen?

... "Wir haben sehr klare Zuständigkeiten im Land", betont hingegen NRW-Fluchtministerin Verena Schäffer (Grüne). Das Land unterstütze zum Beispiel gerade dabei, dass die kommunalen Ausländerbehörden Straftäter und Gefährder bei der Rückführung priorisieren. "Und diese Unterstützungsleistung des Landes, die werden wir auch fortsetzen", erklärt Schäffer.

Die Fluchtministerin hatte bereits Ende September angekündigt, dass alle rund 56.000 ausreisepflichtigen Personen in NRW auf Vorstrafen, Verfahren und Sicherheitsrisiken überprüft werden sollten. Die zuständigen kommunalen Ausländerämter sollen Rückführungen von Straftätern und Gefährdern "oben auf dem Bearbeitungsstapel" haben, sagte Schäffer im Landtag.

... "Coesfelder Liste" ... In Auftrag gegeben hatte die Liste das NRW-Fluchtministerium nach dem Anschlag von Solingen im August 2024. Anlass war auch eine praktische Beobachtung: Für die geplanten Abschiebeflüge aus NRW wurden vergleichsweise wenige Personen angemeldet.

Die Daten der Coesfelder Liste stammten aus dem Ausländerzentralregister und betrafen Menschen aus Westbalkanstaaten in ganz NRW. Coesfeld bot Hilfe bei der Beschaffung fehlender Rückreisedokumente an, damit Ausreisen und Abschiebungen möglich werden. "Nachdem die zentrale Ausländerbehörde Coesfeld diese Listen an die kommunalen Ausländerbehörden versandt hat, ist die Anzahl der Passersatzpapierbeschaffungen erhöht worden", erklärte Schäffer im Gespräch mit dem WDR.

... Insgesamt habe es als Reaktion 143 Amtshilfeersuchen zur Passersatzpapierbeschaffung gegeben, teilte das Fluchtministerium mit. Und: "53 Personen konnten zwischenzeitlich zurückgeführt werden."

Rund um den Kölner Skandal um verhinderte Abschiebungen von Straftätern sind neue Details bekannt geworden. Hintergrund ist eine Anfrage der FDP-Fraktion im NRW-Landtag.

Seit Wochen steht die Stadt Köln in der Kritik. Dem städtischen Ausländeramt wird vorgeworfen, die Abschiebung ausreisepflichtiger Migranten verschleppt und behördliche Unterstützungsangebote des Landes ignoriert zu haben.

Aus einer Antwort des NRW-Fluchtministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP im Landtag geht nun hervor, dass insgesamt 73 NRW-Kommunen ebenfalls Hilfsangebote der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) Coesfeld erhalten haben: Die meisten lehnten die Hilfe offenbar ab, was in dieser Dimension erst jetzt bekannt wurde. Nur vier Kommunen nahmen laut Antwort des Ministeriums eine Hilfe bei Abschiebevorbereitungen an.

... Ob neben Köln auch bei den anderen angeschriebenen Kommunen tatsächlich Straftäter auf der Coesfelder Liste standen, ist bislang unklar. Dass nur vier Kommunen die Abschiebe-Hilfe angenommen haben, bedeutet nicht zwangsläufig ein Fehlverhalten der übrigen kommunalen Ausländerämter.

NRW-Kommunen reagierten teilweise nicht auf Coesfelder Liste

In der Antwort des Fluchtministeriums auf die FDP-Anfrage heißt es, dass 18 Ausländerbehörden auf die E-Mail aus Coesfeld gar nicht geantwortet hatten. In zwei Fällen sei unklar, ob die Mail mit der jeweiligen Liste überhaupt angekommen sei. "Die übrigen angeschriebenen Ausländerbehörden teilten mit, dass sie das Unterstützungsangebot nicht benötigten bzw. die betreffenden Verfahren eigenständig bearbeiten würden", heißt es in dem noch unveröffentlichten Papier, das dem WDR vorliegt.

800 Namen auf Coesfelder Liste betreffen verschiedene NRW-Kommunen

Ob die Zurückhaltung in den Kommunen dazu geführt hat, dass noch mehr Straftäter in Deutschland bleiben dürfen, ist unklar. Auch ist unklar, ob die Kommunen zwar gehandelt, aber nicht auf die Mail geantwortet haben. Insgesamt 1.245 Namen von ausreisepflichtigen Migranten sind laut Fluchtministerium auf den Listen genannt. Der Großteil der Namen betraf die Stadt Köln, für weitere 800 Personen waren andere NRW-Kommunen zuständig. Insgesamt habe es als Reaktion nur 143 Amtshilfeersuchen zur Beschaffung von Passersatzpapieren gegeben. "53 Personen konnten zwischenzeitlich zurückgeführt werden", heißt es abschließend...