Nach Rückgang in 2025 noch einmal ein Drittel weniger Asyl-Erstanträge in Deutschland

06.07.2026 Liegt es an der sogenannten Migrationswende in Deutschland? An der veränderten Lage in Syrien oder Maßnahmen in wichtigen Transitländern? Ohne Zweifel jedenfalls kann der Grund für die drastische Verringerung der Asylgesuche nicht an einer gesunkenen Zahl Schutzsuchender liegen, was doch der allerbeste Grund wäre.

Knapp 40.000 Menschen haben in Deutschland im ersten Halbjahr einen Erstantrag auf Asyl gestellt. Das war mehr als ein Drittel weniger als noch ein Jahr zuvor.

Die Zahl der Asylerstanträge ist im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Insgesamt beantragten 39.646 Menschen erstmals Schutz in Deutschland, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren es noch 61.336 Erstanträge gewesen. Auch dies hatte bereits einen Rückgang um ungefähr die Hälfte bedeutet.

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte seit ihrem Amtsantritt vor gut einem Jahr die Migrationspolitik verschärft. Ein Baustein der sogenannten Migrationswende war die Zurückweisung von Asylbewerberinnen und -bewerbern an den deutschen Landesgrenzen. Laut Bundesinnenministerium wurden im ersten Halbjahr 14.270 Menschen an der Grenze zurückgewiesen. Im gleichen Zeitraum wurden knapp 500 mutmaßliche Schleuser festgenommen. Die Polizei stellte den Angaben nach außerdem mehr als 4.000 Menschen fest, gegen die ein offener Haftbefehl vorlag.

Verschärfung der Migrationspolitik auf Bundes- und EU-Ebene

Neben den bisherigen Maßnahmen kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) im Mai ein Gesetz zur schnelleren Abschiebung von abgelehnten Asylbewerberinnen und -bewerbern an. »Wir bereiten ein Gesetz vor für stärkere Effizienz bei Rückführungen, um dauerhaft auch eine hohe Zahl an Rückführungen zu ermöglichen«, sagte Dobrindt. Einen Zeitpunkt für das Gesetz nannte er nicht.

Auch auf der europäischen Ebene wurde die Migrationspolitik zuletzt verschärft. Seit dem 12. Juni ist die europäische Asylreform in Kraft, über die jahrelang verhandelt worden war. Zu den neuen Regelungen zählt etwa die vereinfachte Abschiebung von Menschen in Drittländer, zu denen diese keinerlei Verbindungen haben.

Migrationsforscher sehen die Gründe für die sinkenden Asylerstanträge vor allem in der veränderten Situation in Herkunftsländern wie Syrien und Aufnahme- bzw. Transitstaaten wie dem Iran oder der Türkei.