Schleppereiwesen: Pauschale Kriminalisierung verstellt den Blick auf vielfältige Antriebe

02.04.2025 "Schlepper sind nicht immer Kriminelle", titelt der Deutschlandfunk. "Schlepper beziehungsweise Fluchthelfer gelten aus Sicht von Fachleuten oft als unumgänglich, da vielfach nicht einmal mehr Kriegsflüchtlinge legal Grenzen passieren könnten."

Anlass für den Bericht ist ein Gipfeltreffen am 31. März in London, bei dem es um den Kampf gegen organisierte Schleuserkriminalität ging. Auch Faeser war anwesend. Die FAZ wählt dem Tenor des Treffens entsprechend für ihren Bericht die Schlagzeile: Neue Härte gegen Migration: Starmer will Schlepper wie Terroristen jagen. Wie die meisten Medien übernimmt sie damit den Tenor des der Politiker*innen beim Treffen. Der Deutschlandfunk dagegen differenziert und mahnt:

Im Kampf gegen organisierte Schleuserkriminalität wollen mehrere Staaten enger zusammenarbeiten. Das ist das Ergebnis eines Gipfels in London, an dem auch Bundesinnenministerin Faeser teilnahm. Doch eine pauschale Kriminalisierung verstelle den Blick auf die Vielfältigkeit des Schleppereiwesens, mahnen Experten.

Der Begriff Schlepper oder Schleuser wird im Deutschen meist mit kriminellen Machenschaften skrupelloser Menschenhändler verbunden. In vielen Fällen trifft das auch zu, das zeigen nicht zuletzt Berichte über Flüchtlinge und Migranten in Libyen

Experten weisen aber darauf hin, dass nicht immer herzloses Profitstreben Menschen antreibe, anderen die Flucht zu ermöglichen oder ihnen die Routen in andere Länder und auf andere Kontinente zu zeigen. „Schlepperei ist häufig die einzige Option, die Menschen zur Verfügung steht, denen es an legalen, sicheren und würdigen Wegen mangelt, um sich in Sicherheit zu bringen“, erklärt die US-Migrationsforscherin Gabriella Sanchez. Oft handele es sich bei den Schleusern auch um einheimische „marginalisierte Männer, Frauen und Kinder“, die häufig selbst versuchten, zu migrieren. Sanchez wirft Medien und Politik vor, die Vielfältigkeit des Schleppereiwesens einseitig darzustellen und so zu verzerren.

Von „Fluchthelfer zum Problem“

Geschichtlich betrachtet, etwa mit Blick auf die DDR, wurden Menschen, die anderen ermöglichen, das Land zu verlassen, nicht immer als Problem wahrgenommen. Vielfach galten sie als Flucht-„helfer“. Der Begriff fand dabei nicht nur eine moralische sondern auch eine rechtliche Anerkennung. Mit Blick auf die Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer schreibt die Süddeutsche Zeitung: "Galten kurz zuvor noch richterliche Urteile, die Fluchthilfe als Dienstleistung begreifen, für die man entlohnt werden darf, wurde die Fluchthilfe nun pauschal zum Verbrechen erklärt.“ Heute werden auch Rettungsmissionen im Mittelmeer kriminalisiert. Die AfD gab 2018 eine Pressemitteilung heraus mit dem Titel: "Schlepper sind Verbrecher – die AfD stellt sie alle vor Gericht."

Schlepper beziehungsweise Fluchthelfer gelten aus Sicht von Fachleuten oft als unumgänglich, da vielfach nicht einmal mehr Kriegsflüchtlinge legal Grenzen passieren könnten. Daher sind sie auf erfahrene Leute angewiesen, die ihnen Wege aufzeigen. Vor diesem Hintergrund führe eine restriktive Flüchtlingspolitik an den europäischen Außengrenzen letztlich auch dazu, das Geschäft der Schlepper anzukurbeln.

Berichte über die Konferenz werden neben zahlreichen österreichischen Medien z.B. von MDR und FAZ angezeigt. Der Stern berichtete: Starmer ruft bei Grenzsicherheitsgipfel zu gemeinsamem Kampf gegen Schleuser auf.