10.09.2026 Aus den News von Pro Asyl: Am Samstag, den 12. September 2026, zeichnet die Stiftung PRO ASYL in Frankfurt am Main mit ihrem Menschenrechtspreis 2026 drei Persönlichkeiten aus, die sich in der Türkei und in Griechenland seit Jahrzehnten für Flüchtlingsschutz, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einsetzen.
- »Menschenrechte sind kein Gefallen, den wir anderen tun« Pırıl Erçoban, Taner Kılıç und Giorgos Tsarbopoulos - die Preisträger*innen der Stiftung PRO ASYL 2026.
Die türkische Menschenrechtsaktivistin Pırıl Erçoban steht für zivilgesellschaftliches Engagement, öffentliche Kritik und konkrete Solidarität mit Schutzsuchenden. Sie war viele Jahre lang Geschäftsführerin der Organisation Mülteci-Der, die sich in Izmir für die Rechte von Geflüchteten stark macht. Hierbei begleitete sie Schutzsuchende, dokumentierte Rechtsverletzungen und machte Missstände bei Inhaftierungen und Abschiebungen öffentlich. In unserem Interview spricht Erçoban über die Nähe zu den Betroffenen, die Rolle von NGOs in der Türkei und über falsch verstandene Gastfreundschaft.
»Was wir brauchen, ist, dass der Menschenrechtsgedanke von allen verinnerlicht wird – von den ganz normalen Menschen in unseren Gesellschaften. Menschenrechte sind kein Gefallen, den wir anderen tun, keine Gnade. Nein. Es ist unsere Pflicht. Es liegt in der Verantwortung jedes Staates und jedes Einzelnen, das zu verinnerlichen.«
INTERVIEW mit Taner Kılıç »Ich würde alles nochmal ganz genauso machen«
Mit dem türkischen Rechtsanwalt und Menschenrechtsverteidiger Taner Kılıç werden anwaltliche Vertretung und Verteidigung verfolgter Menschenrechtsverteidiger*innen gewürdigt. Der Mitbegründer der türkischen Sektion von Amnesty International und der Organisation Mülteci-Der geriet als Folge seines Engagements selbst ins Visier der türkischen Justiz: Im Sommer 2017 wurde Kılıç verhaftet und saß über vierzehn Monate lang in Untersuchungshaft. Kılıçs Fall zeigt exemplarisch, wie Menschenrechtsverteidiger*innen selbst kriminalisiert werden, wenn sie staatliche Willkür öffentlich benennen, Schutzsuchende verteidigen und rechtsstaatliche Garantien einfordern. Im Interview erklärt er:
»Ich bereue nichts. Ich würde alles nochmal ganz genauso machen. Viele Menschen haben das, was sie mit mir gemacht haben, mitbekommen. Diesen Kriminalisierungsprozess. Das hat sich auch negativ ausgewirkt auf manche Mitmenschen, auf Nachbarn. Aber gleichzeitig habe ich sehr viel Solidarität und Unterstützung erfahren, vor allem auch aus dem Ausland. Das hat mir viel Kraft gegeben. Auch deswegen bedeutet mir der Menschenrechtspreis von PRO ASYL so viel. Zu erleben, dass meine Arbeit gesehen wird, auch international. Das berührt mich sehr.«
INTERVIEW mit Giorgos Tsarbopoulos »Solidarität zu zeigen, gibt meinem Leben einen Sinn«
Giorgos Tsarbopoulos wird als ehemaliger Leiter des UNHCR in Griechenland für institutionelle Verantwortung im internationalen Flüchtlingsschutz ausgezeichnet. Der Anwalt machte Druck auf die griechische Regierung, als Menschenrechte verletzt wurden, unterstützte Betroffene und bestand darauf, dass Menschenrechte auch an der Außengrenze Europas gelten.
Im Interview erzählt er, warum er sich nie davon hat abbringen lassen, die Stimme zu erheben.
»Ganz zu Beginn meiner Zeit als Leiter des griechischen UNHCR-Büros habe ich eine furchtbare Hafteinrichtung besucht. Direkt danach habe ich in einem Interview erklärt, dass diese Einrichtung inakzeptabel ist und gegen die Menschenwürde verstößt. Jemand kam auf mich zu und sagte, sowas könne ich als UN-Person doch nicht sagen. Und ich habe geantwortet: Doch, das kann ich. Ich sage, was ich sehe. Ich schrieb meine allererste Presseerklärung und behielt auch da meinen Ton bei. Das Gefängnis wurde bald darauf geschlossen.«
Den Menschenrechtspreis verleiht die Stiftung PRO ASYL seit 2006 jährlich an Personen, die sich in herausragender Weise für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen in Deutschland und Europa einsetzen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Preisträger*innen erhalten zudem eine Skulptur des Künstlers Ariel Auslender, Professor an der Technischen Universität Darmstadt.