Über vier Millionen Geflüchtete und Vertriebene in Deutschland?!? Irreführung mit Zahlen

17.06.2026 Wenn das Statistische Bundesamt anlässlich des Weltflüchtlingstags in einer Pressemitteilung verbreitet "Über 4 Millionen Geflüchtete und Vertriebene in Deutschland", muss schon genau hingeschaut werden, um nicht Fake News aufzusitzen. Über 4 Millionen. Mit der Sensationszahl sind nicht die aktuellen Geflüchteten gemeint, diejenigen, die seit 2015 ankamen und zunehmend skandalisiert betrachtet werden, sondern die Gesamtheit aller Geflüchteten seit 1950 und dazu die heute noch lebenden Vertriebenen nach der 2. Weltkrieg-Niederlage Nazi-Deutschlands.

Inhalt und Tenor dieser Pressemitteilung wurden 1:1 z. B. von der ZEIT übernommen, die titelte Gut vier Millionen Geflüchtete und Vertriebene leben in Deutschland und in der Unterzeile so für den Beitrag warb: "Über vier Millionen Menschen kamen wegen Flucht oder Vertreibung nach Deutschland. Viele der seit 1950 eingewanderten Geflüchteten stammen aus Syrien und der Ukraine."

3,3 Millionen Menschen sind seit 1950 aus Gründen von Flucht und Vertreibung nach Deutschland eingewandert

Menschen aus der Ukraine und Syrien machen knapp die Hälfte der wegen Flucht und Vertreibung seit 1950 eingewanderten Personen aus

Etwa 700 000 noch lebende Vertriebene des Zweiten Weltkriegs

WIESBADEN – In Deutschland lebten im Jahr 2025 über 4 Millionen Menschen, die aus Gründen von Flucht, Vertreibung oder auf der Suche nach internationalem Schutz eingewandert sind. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Weltflüchtlingstags sowie des Gedenktags für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni 2026 auf Basis von Erstergebnissen des Mikrozensus mitteilt, sind 3,3 Millionen Menschen seit 1950 aus Gründen von Flucht und Vertreibung zugewandert. Bei weiteren 713 000 Menschen handelt es sich um Vertriebene des Zweiten Weltkriegs, die vor 1950 zugewandert sind.

1,1 Millionen Personen zwischen 2022 und 2025 nach Deutschland geflohen

Von den 3,3 Millionen Eingewanderten, die seit 1950 aus Gründen von Flucht, Asyl und internationalem Schutz nach Deutschland kamen und heute noch hier leben, ist ein Drittel (1,2 Millionen) in den Jahren 2014 bis 2021 eingewandert, ein weiteres Drittel (1,1 Millionen) von 2022 bis 2025. Weitere 476 000 heute in Deutschland lebende Personen sind zwischen 1990 und 2000 nach Deutschland geflohen, unter anderem aufgrund der Kriege auf dem Gebiet des früheren Jugoslawiens. Die geflüchteten Zugewanderten waren 2025 durchschnittlich 39 Jahre alt, 45 % waren Frauen und 55 % Männer.

Jede vierte (25 % bzw. 832 000) der 3,3 Millionen eingewanderten Personen, die hauptsächlich aus Gründen von Flucht, Asyl und internationalem Schutz nach Deutschland gekommen sind, wurde in der Ukraine geboren. Gut jede fünfte Person (22 % bzw. 732 000 Menschen) stammte aus Syrien. Damit stellen diese beiden Herkunftsländer bereits knapp die Hälfte aller im Jahr 2025 in Deutschland lebenden und seit 1950 eingewanderten Geflüchteten. Weitere 316 000 Menschen stammen aus Afghanistan und 186 000 aus dem Irak. Danach folgen die Türkei (146 000), Polen (120 000) und der Iran (117 000) als wichtigste Herkunftsstaaten.

Gemessen an der Bevölkerungszahl war der Anteil der seit 1950 aus Gründen von Flucht und Vertreibung Eingewanderten am höchsten in Bremen (7,3 %), gefolgt von Hamburg (6,3 %), dem Saarland (5,7 %) und Hessen (4,8 %).

Vertriebene des Zweiten Weltkrieges heute durchschnittlich 85 Jahre alt...