UNHCR: Weltweit 117,8 Geflüchtete und Vertriebene. Zahl erstmals gesunken

11.06.2026 Alljährlich zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlicht UNHCR Zahlen zur Fluchtbewegung weltweit und gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen. Die Zahlen, die Schlagzeilen machen, stammen aus gleichzeitig herausgegebenen UNHCR Report "Global Trends" und wurden von Januar bis Ende Dezember des Vorjahres erfasst.

Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ist laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Zahl der Menschen auf der Flucht im Jahresverlauf gesunken. Ende 2025 habe es weltweit 117,8 Geflüchtete und Vertriebene gegeben, teilte das UNHCR in Genf. Das seien 5,4 Millionen Männer, Frauen und Kinder oder vier Prozent weniger als Ende 2024. 

Die Entwicklung ist zurückzuführen auf freiwillige oder unfreiwillige Rückkehr ins Herkunftsland.

"eine starke Zunahme der Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen in einigen der größten Vertreibungskrisen der Welt", insbesondere in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und in Syrien

[Diese] sei in weiten Teilen jedoch nicht freiwillig geschehen... Wenn Menschen zur Rückkehr in ein Land gezwungen werden, das nicht sicher ist und wo sie kein Auskommen finden, könne das schnell die nächste Fluchtwelle auslösen, sagte Salih.

Unter anderem haben Pakistan und der Iran 2025 Millionen Afghanen, die teils seit Jahren im Land lebten, zur Heimkehr gezwungen. 

Erstmals nimmt Deutschland unter den Aufnahmeländern den 2. Platz ein, hinter Kolumbien und vor der Türkei.

Die überlebensnotwendige Arbeit des UNHCR ist durch die chronische Unterfinanzierung gefährdet. Diese wird noch verstärkt dadurch, dass Geldgeber wie USA und Deutschland ihre Beiträge kürzen.

Für 2026 plant der UNHCR mit 8,5 Milliarden USD - etwa 20 Prozent weniger als in 2025. Doch nicht, weil die Not geringer ist, sondern als Ergebnis von bitteren Entscheidungen, die dazu führen, dass viele Flüchtlinge nicht so versorgt werden können, wie es nötig wäre...

In diesem Beitrag enthalten:  UNO-Flüchtlingshilfe: Flüchtlingszahlen (Ausschnitte), DW 11.06.2026 UNHCR: Flüchtlingszahl sinkt 2025 weltweitnd 12.06.2026 Geflohen und zur Rückkehr gezwungenUNO-Flüchtlingshilfe: Hilfe am Limit: Millionen Flüchtlingsfamilien sind bedroht :

 

117,8 Millionen Menschen waren Ende 2025 auf der Flucht.

70 Prozent der Flüchtlinge gibt es auf Grund von langanhaltenden Krisensituationen.

68,7 Millionen Menschen sind aufgrund von Konflikten im eigenen Land vertrieben.

Zahlen & Fakten zu Menschen auf der Flucht

Die Zahl der Menschen, die weltweit vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen müssen, ist 2025 erstmals seit zehn Jahren gesunken - bleibt jedoch weiterhin auf einem besorgniserregend hohen Niveau.

Ende 2025 waren weltweit 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht. 5,4 Millionen von ihnen flohen allein in 2025 vor Gewalt und Verfolgung in andere Länder.

Gleichzeitig konnten 14,7 Vertriebene in ihre Herkunftsländer oder -regionen zurückkehren. Damit erreichte die Rückkehr weltweit den zweithöchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung vor 60 Jahren – allerdings kehrten viele Menschen nicht freiwillig und unter schwierigen Bedingungen zurück. 

Zu den 117,8 Millionen gewaltsam Vertriebenen gehörten Ende 2025

  • 41,6* Millionen Flüchtlinge, darunter:
    - 28,5 Millionen Flüchtlinge unter UNHCR Mandat 
    - 6 Millionen Palästina-Flüchtlinge unter UNRWA-Mandat
    - 7,2 Millionen andere schutzbedürftige Menschen
  • 68,7 Millionen Binnenvertriebene durch Konflikte und Gewalt
  • 9 Millionen Asylsuchende

Die fünf größten Herkunftsländer von Flüchtlingen

Venezuela - 6,4 Millionen, Ukraine - 5,2 Millionen, Syrien - 4,9 Millionen, Afghanistan - 3,7 Millionen, Sudan - 2,8 Millionen

Die fünf größten Aufnahmeländer von Flüchtlingen

Kolumbien - 2,8 Millionen, Deutschland - 2,7 Millionen, Türkei - 2,4 Millionen, Uganda - 1,9 Millionen, Islamische Republik Iran - 1,7 Millionen

Die fünf Länder mit den meisten Binnenvertriebenen

Sudan - 9,1 Millionen, Kolumbien - 7,2 Millionen, Syrien - 6 Millionen, Jemen - 4,8 Millionen,
Afghanistan - 4,4 Millionen

Der UNHCR-Report "Global Trends" wird jedes Jahr zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni herausgegeben und bezieht sich auf Zahlen, die von Januar bis Ende Dezember des Vorjahres erfasst wurden. 

Diese und weitere Zahlen bei UNO-Flüchtlingshilfe Flüchtlingszahlen auch mit Grafiken einzusehen.

 

Erstmals seit zehn Jahren sinkt laut UNHCR die Zahl der Geflüchteten weltweit auf 117,8 Millionen. Nicht alle kehren freiwillig zurück, während Asylanträge steigen und Hilfsgelder gekürzt werden.

Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ist laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Zahl der Menschen auf der Flucht im Jahresverlauf gesunken. Ende 2025 habe es weltweit 117,8 Geflüchtete und Vertriebene gegeben, teilte das UNHCR in Genf. Das seien 5,4 Millionen Männer, Frauen und Kinder oder vier Prozent weniger als Ende 2024.

"Rückkehr nicht freiwillig"

"Dieser kleine Rückgang ist eine gute Nachricht", sagte der neue UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih. Die sei in weiten Teilen jedoch nicht freiwillig geschehen, schränkte er ein. Wenn Menschen zur Rückkehr in ein Land gezwungen werden, das nicht sicher ist und wo sie kein Auskommen finden, könne das schnell die nächste Fluchtwelle auslösen, sagte Salih.

Unter anderem haben Pakistan und der Iran 2025 Millionen Afghanen, die teils seit Jahren im Land lebten, zur Heimkehr gezwungen.

58 Prozent Binnenflüchtlinge

58 Prozent der Vertriebenen waren demnach innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht. Diese Entwicklung ist dem UNHCR zufolge "auf eine starke Zunahme der Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen in einigen der größten Vertreibungskrisen der Welt zurückzuführen", insbesondere in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und in Syrien.

Zudem stieg dem UNHCR zufolge weltweit die Zahl der anhängigen Asylanträge um 645.300 auf fast neun Millionen an. Die Zahl der Staatenlosen schätzte die UN-Behörde auf 4,5 Millionen, was einem Anstieg von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Deutschland mit zweithöchster Flüchtlingszahl

5,4 Millionen Menschen flohen 2025 wegen Konflikten und Verfolgung neu ins Ausland. Rund Zweidrittel lebten nahe ihrer Heimat, oft in Ländern, in denen es vielen Einwohnern selbst am Nötigsten fehlt.

Laut UNHCR gehört Deutschland zu den Staaten, welche die meisten Geflüchteten aufgenommen haben - hinter Kolumbien und vor der Türkei. In Kolumbien lebten 2,8 Millionen Flüchtlinge, in Deutschland 2,7 Millionen und in der Türkei 2,4 Millionen.

Mehr Integration nötig

Rund 70 Prozent der Flüchtlinge leben seit mehr als fünf Jahren im Exil und haben nach Angaben des UNHCR wenig Aussicht auf eine Lösung der Probleme, die sie in die Flucht getrieben haben. Salih will erreichen, dass diese Zahl bis 2035 auf die Hälfte reduziert wird.

 

Laut UNHCR-Bericht zwingt die Abschottung Geflüchtete dazu, in Kriegs- und Konfliktgebiete zurückzukehren. Auch in Europa schwindet der Schutz.

Laut dem am Donnerstag veröffentlichten UN-»Global Trends Report« waren 2025 weltweit 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Damit sank die Gesamtzahl erstmals seit einem Jahrzehnt um gut vier Prozent. Doch die Statistik trügt, warnte UN-Flüchtlingskommissar Barham Salih auf einer Pressekonferenz in Genf. »Eine Rückkehr, die nicht sicher und freiwillig ist, ist keine Lösung«, betonte er. »Das birgt die Gefahr, der Beginn eines neuen Vertreibungszyklus zu werden.«

Doch genau dies geschieht immer häufiger. Insgesamt kehrten laut UN im vergangenen Jahr 4,4 Millionen Geflüchtete in ihre Herkunftsländer zurück. Das ist die zweithöchste Zahl seit Beginn der UNHCR-Datenerfassung im Jahr 1965, wobei neun von zehn dieser Menschen in lediglich drei Staaten zurückkehrten: Afghanistan, Syrien und den Sudan – meistens gezwungenermaßen.

Weil etwa Pakistan und der Iran ihre Gesetze verschärften, mussten 1,9 Millionen geflüchtete Afghan*innen ins Taliban-beherrschte Land zurückkehren. Dort nehmen massive Menschenrechtsverletzungen zu. Besonders Frauen und Mädchen leiden unter rigiden Religionsgesetzen: Sie dürfen oftmals keine Schulen besuchen, ihre körperliche und sexuelle Selbstbestimmung ist beschnitten und eigene Einkommenschancen fehlen.

Gleichzeitig schwindet die Hoffnung auf sichere Auswege, da kaum noch Länder bereit sind, Geflüchtete über UN-Programme aufzunehmen. 2025 halbierten sich die Umsiedlungen in Drittstaaten auf 81 800 Personen – ein Tiefstand wie zuletzt 2011.

Der Westen schottet sich ab

Auch die USA und die EU-Länder schotten sich immer weiter ab. Die Vereinigten Staaten nahmen 2025 nur noch 11 500 Geflüchtete auf und planen stattdessen Abschiebungen in die von Kämpfen geprägte und von einer Ebola-Krise getroffene Demokratische Republik Kongo. Und ab Mitte Juni greifen in der Europäischen Union die harten Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas), die Schutzsuchende laut Kritiker*innen massiv entrechten.

Obwohl die Bundesrepublik mit 2,7 Millionen aufgenommenen Schutzsuchenden – vor allem aus der Ukraine, Syrien und Afghanistan – weltweit noch den zweiten Platz belegt, setzt die Bundesregierung die neuen EU-Vorgaben mit maximaler Härte in nationales Recht um, wie die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisiert. 

Und das, obwohl die weltweit ärmsten Staaten derzeit 26 Prozent aller globalen Geflüchteten aufnehmen – darunter Länder wie Uganda mit 1,9 Millionen oder der Tschad mit 1,5 Millionen aufgenommenen Schutzsuchenden. Sie tragen eine Verantwortung, »die die internationale Gemeinschaft nicht angemessen teilt«, rügte UN-Flüchtlingskommissar Salih vor allem wohlhabende Länder. Denn internationale Hilfsgelder, um Geflüchtetenprogramme zu finanzieren, schwinden zunehmend. In Syrien ist etwa das UN-Hilfsprogramm aktuell nur noch zu zehn Prozent gedeckt.

Eskalierende Konflikte, neue Fluchtbewegungen

Eskalierende bewaffnete Konflikte treiben aktuell weitere Millionen Menschen in die Flucht. Im Sudan verharren nach brutalen Kämpfen 9,1 Millionen Binnenvertriebene. In der Demokratischen Republik Kongo suchen insgesamt 5,7 Millionen Zivilist*innen Schutz im eigenen Land. Myanmars Bürgerkrieg vertrieb bereits über drei Millionen Zivilist*innen. Und im Nahen Osten verloren durch den Krieg zwischen der islamistischen Hisbollah und Israel über eine Million Menschen im Libanon ihr Zuhause. Zur weiterhin katastrophalen Lage im Gazastreifen oder zu israelischen Vertriebenen liefert der Bericht keine Zahlen, da für Palästinenser das umstrittene UN-Hilfswerk UNRWA zuständig ist und der UNHCR primär Vertriebene in Ländern erfasst, die internationale Hilfen erhalten.

Um der Not etwas entgegenzusetzen, präsentierte Salih in Genf die UNHCR-Initiative »50 by 35«. Die Organisation will bis zum Jahr 2035 erreichen, dass nur noch halb so viele Geflüchtete dauerhaft auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Aufnahmeländer sollen Schutzsuchende in nationale Gesundheits-, Bildungs- und Arbeitsmärkte integrieren, damit diese sich selbst versorgen können. Dafür müsse die internationale Gemeinschaft Finanzmittel künftig völlig anders einsetzen. Statt Nothilfe müssten Geldgeber – allen voran die Weltbank – verlässliche finanzielle Unterstützung bieten, um die Infrastruktur armer Aufnahmestaaten dauerhaft auszubauen.

»Jede gefährliche Überfahrt über das Meer und jeder Tod in der Wüste stellen ein Versagen der internationalen Gemeinschaft dar«, mahnte Salih. Die Kosten dieses Versagens seien nicht bloß Statistiken, sondern Menschenleben.

 

Weltweit verlieren geflüchtete Menschen den Zugang zu lebenswichtiger Hilfe. Millionen Familien, die vor Krieg, Verfolgung oder Gewalt fliehen mussten, stehen nun erneut vor dem Nichts – weil das Geld fehlt.

Die globale humanitäre Hilfe steckt in einer schweren Finanzierungskrise.

Auch der UNHCR muss Schutzmaßnahmen, Hilfsangebote und langfristige Lösungen einschränken – mitten in einer Zeit, in der der Bedarf immer weiter wächst.

Drastische Kürzungen und ausbleibende Mittel gefährden das Überleben derer, die am dringendsten Unterstützung brauchen.

Der UNHCR steht vor einem historischen Finanzloch: 

  • In 2025 standen nur 3,5 Mrd. USD zur Verfügung – das entspricht dem Niveau von vor zehn Jahren, obwohl sich die Zahl der Geflüchteten seitdem fast verdoppelt hat.
  • Für 2026 plant der UNHCR mit 8,5 Milliarden USD - etwa 20 Prozent weniger als in 2025. Doch nicht, weil die Not geringer ist, sondern als Ergebnis von bitteren Entscheidungen, die dazu führen, dass viele Flüchtlinge nicht so versorgt werden können, wie es nötig wäre...