05.08.2026
... nach dem Motto: „Erst wird eine Krise politisch ausgeschlachtet, dann werden Schuldige gesucht und am Ende lautet die Antwort wie immer: noch höhere Zäune, noch mehr Abschottung.“ Linken-Chefin Ines Schwerdtner (Stern)
- katholisch.de 04.08.2026 Über tausend warten in der spanischen Exklave Kirche besorgt um Betreuung minderjähriger Migranten in Ceuta
Es sind beklemmende Bilder. In einem Industriegebiet nahe der Grenze zu Marokko sind in einer provisorisch eingerichteten Lagerhalle Hunderte Minderjährige und Kinder untergebracht. Sie liegen auf Matratzen oder auf dem Boden. Neben sich haben sie kleine Wasserflaschen und ein Sandwich. Niemand scheint sich wirklich um sie zu kümmern.
Die Minderjährigen hatten sich Ende letzter Woche dem Migrantenstrom auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta angeschlossen. Die meisten der 72.000 hauptsächlich jungen Marokkaner sind bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Doch einige tausend halten sich anscheinend noch in der Stadt versteckt. Soldaten und Polizei suchen weiter nach ihnen. Marokkanische Migranten werden direkt zur Grenze gebracht und ausgewiesen. Afrikaner mit einem möglichen Recht auf Asyl kommen ins temporäre Abschiebezentrum.
Dort werden sie sich erst einmal selbst überlassen, aber nach und nach zu den Polizeiwachen gebracht, um ihre Identität und ihr Alter festzustellen. Viele sind alleine nach Ceuta gekommen. Andere wurden im Chaos des Massenansturms auf die Exklave von ihren Eltern getrennt. Einige haben sie vielleicht für immer verloren. Bisher wurden 90 Leichen von Migranten geborgen, die beim Versuch, die ins Meer reichenden Grenzanlagen zu umschwimmen, ertrunken waren.
Nur die Kleider am Leib
Rund 826 unbegleitete Minderjährige befinden sich derzeit in der Obhut der Regionalregierung. Bis zu tausend dürften es wohl insgesamt werden. Jene, die sich in der Stadt und den Hügeln verstecken, schlafen in Parks, am Strand, betteln vor Geschäften um Essen. Die meisten haben nur ihre Kleidung am Leib...
... Unter denjenigen, die in Ceuta geblieben sind, befinden sich jedoch zahlreiche Menschen, die aus kriegsgeplagten Ländern im Nahen Osten und in Afrika geflohen sind. Es kommt zu Spannungen und Berichten über Gewalt gegen Migranten wie auch gegen Anwohner. Neben der Polizei verhindern auch Bürgerwehren, dass Migranten in ihre Viertel gelangen...
- Tagesschau 04.08.2026 EU-Innenminister stellen sich geschlossen hinter Spanien
Bei einer kurzfristig einberufenen Videokonferenz zu den Vorfällen in Ceuta haben die EU-Innenminister Spanien demonstrativ den Rücken gestärkt. Die Außengrenzen lägen in gemeinsamer europäischer Verantwortung. Das klang zuvor noch anders...
- taz 04.08.2026 EU-Sondersitzung nach Ceuta Erst Brandbrief, dann Versöhnung
Bei einer Krisensitzung zum Fall Ceuta folgt die EU altbekannten Mustern: vage Formulierungen, Beschwichtigung und verbaler Aktionismus.
... Um wohl der Kritik von Rechtspopulist:innen und Rechtsextremist:innen zuvorzukommen, wurde lautstark nach einer schärferen Migrationspolitik geschrien, nach härterer Abschottung und überhaupt mehr Schutz an den EU-Außengrenzen. Doch der rechte Rand nutzte die Bilder Tausender Migrant:innen, die durch die Straßen der Exklave liefen, längst für seine menschenfeindlichen Äußerungen und freute sich über den polternden Streit innerhalb der Europäischen Union.
Nun also eine Online-Sondersitzung der EU-Innenminister:innen in Zeiten einer vermeintlichen Krise. Den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft hat derzeit Irland inne. Der Innenminister der rechten Partei Fianna Fáil, Jim O’Callaghan, sprach von einer geeinten EU, die bereitstünde, Spanien zu unterstützen und die EU-Außengrenzen vor illegaler Migration zu schützen.
... EU-Innenkommissar Magnus Brunner findet, dass Europa „diese Probe bestanden“ hat. Es sei den Migrant:innen nicht gelungen, „in den Schengenraum einzudringen“.
... Seit Mitte Juni gilt das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas), und die Zahl der irregulären Grenzübertritte ist ohnehin in den vergangenen rund zwei Jahren zurückgegangen. Trotzdem soll es jetzt einen Fünf-Punkte-Plan geben für mehr Kooperationen mit Transitländern, schärfere Maßnahmen gegen Schleuser, und auch die umstrittene Agentur Frontex soll stärker zum Zug kommen an den Außengrenzen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wünscht sich jedenfalls schnell schärfere Maßnahmen. „Die Situation in Ceuta verdeutlicht die volatile Migrationslage“, hieß es in einer Mitteilung. „Wir analysieren genau im Rahmen der EU-Innenminister, welche unterschiedlichen Mechanismen zu dieser illegalen Massenmigration geführt haben.“ Konkret heißt das für ihn auch: Die EU-Außengrenzen ausbauen – auch mit physischen Barrieren...
- Stern 04.08.2026 Schwerdtner: Merz tappt bei Ceuta-Krise „in Falle der Ultrarechten“
Vor der Krisensitzung der EU-Innenminister zur Lage in der spanischen Exklave Ceuta hat Linken-Chefin Ines Schwerdtner scharfe Kritik am Verhalten von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geübt. „Die Bundesregierung tappt damit schon wieder in die Falle der Ultrarechten“, sagte Schwerdtner am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Sie finde es „erschreckend, wie schnell sich die Bundesregierung auf Spanien eingeschossen“ habe, als es um die Frage der Verantwortung für die massenhafte Ankunft von Migranten in Ceuta ging.
... Deutschland sollte jetzt an der Seite Spaniens stehen und gemeinsam mit den europäischen Partnern die Hintergründe aufklären, sagte die Linken-Chefin. Kanzler Merz dürfe sich nicht zum „Handlanger der europäischen Rechten“ machen nach dem Motto: „Erst wird eine Krise politisch ausgeschlachtet, dann werden Schuldige gesucht und am Ende lautet die Antwort wie immer: noch höhere Zäune, noch mehr Abschottung.“...
- RND mit AP 03.08.2026 Kein Platz in Betreuungseinrichtungen Hunderte Kinder sind in Ceuta auf sich allein gestellt: „Jetzt betteln wir auf der Straße“
Bildunterschrift: Ein zwölfjähriger unbegleiteter Minderjähriger, der nach Spanien eingereist war, wird von einem spanischen Soldaten zur spanisch-marokkanischen Grenze begleitet, während das Kind darum fleht, nicht aus der spanischen Enklave Ceuta nach Marokko zurückgeschickt zu werden.
... Wie sie sind auch viele andere unbegleitete Minderjährige mit einer beängstigenden Gegenwart und einer ungewissen Zukunft konfrontiert. Die örtlichen Behörden bestätigten, dass sich am Montag noch rund 860 unbegleitete Minderjährige in Ceuta aufhielten. Sie machen nun einen großen Teil der 3000 bis 5000 Migranten aus, die nach Schätzung der Regionalregierung der Abschiebung aus der Exklave entgangen sind...
Erwachsene Migranten und Flüchtlinge können in Spanien Asyl beantragen. Die Hürden für Marokkaner, humanitären Schutz zu erhalten, sind in der Regel allerdings sehr hoch. Minderjährige, die nicht von Erwachsenen begleitet werden, haben jedoch Anrecht auf besonderen Schutz und sollen von den spanischen Behörden betreut werden...
Die meisten erwachsenen Marokkaner sind entweder freiwillig nach Hause zurückgekehrt oder wurden von der spanischen Polizei zurückgeschickt. Unter denjenigen, die in Ceuta geblieben sind, befindet sich eine beträchtliche Anzahl von Menschen aus anderen Ländern, darunter Sudanesen, die aus ihrem vom Krieg zerrütteten Land geflohen sind, Palästinenser aus dem Gazastreifen und Afghanen sowie Menschen aus mehreren afrikanischen Staaten...
Das Migrantenzentrum der Stadt mit einer Kapazität von 600 Personen ist vollständig belegt. Nach Berichten von AP-Journalisten fehlt es den Migranten an Nahrungsmitteln.
„Die Strategie besteht darin, dass Hunger, Durst und Erschöpfung diese Menschen dazu zwingen, sich schließlich für eine freiwillige Rückkehr nach Marokko zu entscheiden“, sagte der lokale Migrationsaktivist Ramsés Mohamed Azumik von der Asociación Elín. Viele Migranten schlafen oder ruhen sich am Strand oder auf den Hügeln rund um diesen kleinen Flecken Spaniens aus. In der Ferne liegt das europäische Festland, ihr endgültiges Ziel, jenseits des Meeres.